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dukte ale epodjemachende Schöpfungen auspofaunt und lesenswerthe Erzeugnisse unabhängiger Geister in den Roth reißt oder der öffentlichen Beadytung zu entziehen sucht? Jedem Handjdhütteler, der Niemanden anreden kann, ohne ihn zu seinem besten Freund" zu machen? Jedem „gehorsamsten Diener“, der mit besonderer Hodhadytung seine Briefe an alle Diejenigen unterzeichnet, die er innerlidy zum Henker wünscht ? Jedem Kaufmann, der „zum Einkaufspreise“ verkauft, wenn er weniger als 50 Prozent Profit madit? 3edem Wirth, auf dessen Flaschen, Johannisberger" figurirt, während der Inhalt aus moderirter Essigsäure besteht? In allen Beziehungen und Verhältnissen des gewöhnlichen Lebens, wo können Sie sich einlassen und beobachten, ohne der Lüge zu begegnen, die in allen mögliden Formen, bald als einfache Umfehrung der Wahrheit, bald als Prahlerei, bald als Verstellung, bald als Heuchelei, bald als Schmeichelei, bald als Verleumdung, bald als Betrug, bald als Verrath ihr Wesen treibt? Und die Meisten lügen eben so viel durch Das was sie verschweigen, wie durd) Das was sie sagen, so daß unter Tausenden nicht einer aus der Welt scheidet als Das was er wirklid) war. Mandyen Menschen ist die Lüge so selir zur Regel, zum Bedürfnß, zur zweiten Natur geworden, daß ihnen an Andren die Wahrheitsliebe förmlich zu einein Element ber moralisden Entwerthung wird. Sie wären im Stande zu sagen: jener Mensch ist Gdylecht, denn er lügt nicht. Sie wären im Stande zu sagen: In Dem, was jener Mensch sagt, kann er nicht widerlegt, in Dem, was er thut, kann er nicht getadelt werden und sein Charakter verdient alle Anerkennung, aber

man kann ihin nicht trauen, denn er sagt immer die Wahr: heit. Will man jedoch einem Menschen, der die Wahrheit spricht, das Adersdlimmste nadyjagen und in ihm einen Ausbund von Verwerflichkeit darstellen, so nennt man ihn durdy a u$ un praktisd)" und man sagt ihm nur aus Mitleid eine wohlwollende Schmeichelei, wenn man ihn bloß verrüdt oder wahnsinnig nennt. Und so ist denn die große Masse der Menschheit praktisch genug, fast in Adem zu lügen was sie sagt und thut, wie in Allem was sie verschweigt und unters läßt.

Selbst in dem natürlichsten Wechselverhältniß des Lebens, Dem der Liebe-welche Heuchelei, welche Perfidie, welche Lüge! „Id liebe dich“ heißt in den meisten Fällen so viel wie: ich will dich betrügen. Dabei wäre die Beantwortung der Frage von Interesse, weldies der beiden Gejdylediter fich am Meisten Der Lüge befleißige und die größte Virtuosität darin ents widle, dasjenige, welches seine Liebe , erklärt“, oder dass jenige, welches sie, bekennt“? Ohne Zweifel dasjenige Ges schlecyt, welches das Meiste thut und sich gefallen läßt, wobei die Lüge als Hülfsmittel dient, also gegen Schwache am Uebermüthigsten Tyrannei übt und sie am Ruhigsten von Mächtigen erduldet, am Meisten spekulirt und am Meisten schachert, am Meisten politisirt und am Meisten diplomatisirt. Welches dieb Geschlecht sei, will ich nicht verrathen, da die Majorität meiner Zuhörer zum männ. lidhen gehört. Was auch schon mag gethan worden sein, die Verstellungs- und Lügen-Sunst der Weiber in Romanen und Theaterstücken darzustellen, so haben doch die Männer ihnen unwillkürlich Gerechtigkeit wiederfahren lassen durch die bemerkenswerthe Thatfadye, daß es noch feinem Manne eingefallen ist, in einem weiblichen Don Juan ein Ideal der Lige zu verherrlichen und die Berabwürdigung der Liebe zu preisen.

Steigen wir nun aus dem gewöhulichen Leben in andre Sphären hinauf, namentlich in die politijdie, so sehen wir, wie jener Ritter den Wald vor lauter Bäumen, die liige vor lauter Lügen nicht mehr. Atressiren wir uns an den Ersten Besten : er ist ein Zeitungsdireiber, der ein „Organ der Wahrheit" herausgibt. „Lügen wie gedrudt“, „er lügt wie eine Zeitung“

Das sind kurrente Nedensarten gewors den, die höchstens noch eine modernte Berstärkung erhalten fönnten durch die Wendung: er lügt wie der Telegraph. Wenn Sie mir im Lande der Preßfreiheit jed): Zeitungschreiber nennen, die keine Lüge sagen und keine Wahrheit berschweigen, so mache ich miớ anheisdrig, sogar in Amerifa an große Männer zu glauben. Ad vocem große Mäns ner". Haben Sie don einen einzigen geschen, der nidyt, wie man einen Schneemann aus Schneeflumpen zusammens klebt, auf den Lügen der Zeitungsdyreiber, Parteiberolde und sonstigen Spekulanten zusammengesetzt war ? Haben wir es dod, mit Hülfe dieser Vertreter der Wahrheit in jüngster Zeit sogar fo weit gebracyt, daß Derjenige ein Muster von ,, Ehrlichkeit" werden kann, der das republikanische Gouvernement umwandelt in eine Assekuranz-Anstalt fitr jede linehrlichkeit. In der Gesellsdaft des Zeitungschreis bers und des „großen Mannes“ finden wir auch den Polis tiker von Profession, einen Biedermann erster Klasse, den noch kein Lügner einen Taugenichts genannt hat. Ihm nähert sich einer jener feinen Herrn, die man Diplomaten kennt und welche die Sprache benutzen, um ihre Gedanken zii verbergen, wenn sie welche haben, oder den Schein von Gedanken zu erregen, wenn sie keine haben. Hinter dem Diplomaten steht in der Ferne einer jener geheiligten Wahrheitsfreunde, welche die Krone vom Tisch des Herrn nehmen und nicht bloß in jeder Todesangst Verfassungen beschwören, um sie später umzustürzen, sondern auch alle Tage versichern, daß sie nicht8 Andres wollen, als das Wohl der Unterthanen die sie knechten. Bedarf die Wahrhaftigkeit Sr. Majestät aber noch eines glaubwürdigen Gewährsmanns, so feht zu seinen Füßen jenen zerknirschten Unterthan, welcher, den Stachel der tödtlichsten Beleidigung im Herzen, durchaus glaubwürdig versidyert, daß er aus Liebe zu seinem König ersterbe und im Interesse der , Rrone" Gut und Blut zu opfern bereit sei. Um sich aber in ihrer Glaubwürdigkeit gegenseitig zu bestärken, versammeln sie sich zulegt alle miteinander in der Kirche und singen begeistert: „Nun danket alle Gott“. Nachdem sie die ganze Erde vol gelogen, lügen sie jett den tauben Himmel an, der sie alle so glücklich gemacht hat, und um sich gegenseitig zu trösten über Das, was „Gott“ ihnen heute versagt, danken sie ihm inbrünstig für Das, was er ihnen gestern nicht gegeben hat. Das ist die Krone der Lügerei, daß der Mensch, nadidem er sie bei allen seinen Mitmenschen nach Möglichkeit praktizirt hat, zuletzt in die Runde sein eigenes Selbst belügt und dabei im Ernst versichert, das höchste Gut sei die Wahrheit.

Daß unter folchen Umständen Derjenige, welcher die Wahrheit, die wahre Wahrheit, geltend machen will, also die Lüge aufbecken muß, unter den Menschen im Allgemeinen fein willkommener Gast ist, geht mit sehr natürlidhen Dingen zu. ,,Den Verrath liebt man, aber man haßt den Berräther". Mit der Wahrheit, obidon sie ganz anderer Natur ist, verhält es sich ebenso : man liebt die Wahrheit übermäßig, aber man haßt Den, der sie sagt. Nur wer sie selbst übt, kann sie ertragen. Wie auf einem Maskenball Niemand zugelassen wird, der nicht ein fünstliches Geficit trägt, so ist in dieser verlogenen und verheudjelten Welt Niemand erträglich, der seine freie Menschennatur bewahrt hat und fähig geblieben ist, fidder Lüge zu schämen. Dess halb ist es gut, daß wenigstens eine Person in der Welt eristirt, die, von den Menschen ganz unabhängig, ihnen die Wahrheit in den Folgen ihrer Lügen lehrt und diese Person ist die Nemesis, die Göttinn der Logik.

Aber, versichert uns ein Professor, es gibt einen Tempel, worin die Wahrheit ihr Licht stets siegreich leuchten läßt, und dieser Tempel ist die Geschichte. „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht“. Wohlan, wenn die Gesdichte der Menschheit ihr Gericht ist, so ist der Geschichtschreiber ihr Gerichtsfhreiber. Wir erleben jetzt selbst ein Stück Geschichte. Sie rout sich ab vor unsern Augen am hellen Tage und das Protokoll des Prozesses wird von tausend Federn geführt, die vollkommene Freiheit haben ein photographisch treues Bild des Geschehenden zu liefern. Nun wünschte ich Den zu jehen, der aus diesen Protokollen eine wahrheitgetreue Ges schichte der Sklavenhalter-Rebellion und ihrer Befämpfung zusammensette. Sehen wir nicht alle Tage vor diesem ames rikanischen Weltgericht das Recht zum Unredyt madjen, die Urfade in die Wirkung verkehren, die Folgen von unaufhaltfamen Ereignissen als Verdienste Derer umdeuten, welche sich vergebens ihnen entgegenstemmten, die sdyreiendsten Thatfachen ignoriren, die offenbarsten Motive vertuschen, die empöreibste Unfähigkeit in Weisheit, unläugbare Verbrechen

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