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Julius Lehr f.

In Julius Lehe hat die Wissenschaft der politischen Ökonomie einen Mann verloren, dessen Name zwar nicht mit der herrschenden nationalökonomischen Schule verknüpft ist, der anch nicht einer Schule den Weg gewiesen hat, wohl aber einen Mann, dessen Arbeiten stets eine ausgezeichnete Quelle nationalökonomischer Erkenntnis bilden und in der neueren nationalökonomischen Litteratur eine hervorragende Stellung einnehmen werden.

Julius Lehe wurde am 18. Oktober 1845 zu Schotten in Oberhessen geboren und ist am 10. Oktober d. J. zu München gestorben; er ist also nahezu 49 Jahre alt geworden. Nach Absolvierung seines Universitätsstudiums zu Giefsen habilitierte er sich bereits im Alter von 23 Jahren an der Forstakademie zu Münden. Im Jahre 1874 folgte er einem Rufe als Professor der Volkswirtschaftslehre an die technische Hochschule zu Karlsruhe, im Jahre 1885 einem solchen als Professor der Forstpolitik an die Universität München. Dafs er sich in dem engen Wirkungskreise, der ihm in München gezogen war, heimisch fühlte, obgleich er ein Mann war, dessen Leistungen in hohem Mafse zu einem Wirken vor der gro&en Öffentlichkeit berechtigt hätten, das ist ohne Frage auf die grofise Bescheidenheit und das zurückhaltende Wesen zurückzuführen, wodurch sich Julius Lehe zu jeder Zeit ausgezeichnet hat.

Lehes wissenschaftliche Arbeiten liegen auf verschiedenen Gebieten. Der eine, und zwar ein sehr grofser Teil, bewegt sich auf dem Gebiete der Forstwissenschaft und der Forstpolitik. Neben der Schrift „ Die deutschen Holzzölle und deren Erhöhung" (Frankfurt a. M., 1883), die nicht ohne Widerspruch geblieben ist, verdient hier vor allem die Darstellung der „ Forstpolitik" in Lobeys Handbuch der Forstwissenschaft hervorgehoben zu werden. Auch die „Allgemeine Forst- und Jagdzeitung" gab Lehe seit dem Jahre 1878 heraus.

Auf dem Gebiete des Verkehrswesens haben besonders Lehes Schriften Uber „Eisenbahn-Tarifwesen und Eisenbahn-Monopol "(Berlin, 1879) und „ Die Berechtigung des Zonentarifs im Personen- und Güterverkehr" (München, 1891) Beachtung gefunden. Auf sein Wirken sind überdies eine Reihe von Verbesserungen im Tarifwesen, namentlich in Bayern, zurückzuführen.

Von seinen finanzwissenschaftlichen Arbeiten ist hauptsächlich die Abhandlung über „Aufwandsteuern" in Schönbeegs Handbuch der politischen Ökonomie hervorzuheben. Daneben verdient eine Reihe von Artikeln im CoNBADschen Handwörterbuche der Zeitschrift, den Jahrbüchern für Nationalökonomie und der Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft Erwähnung.

Die hervorragendsten Arbeiten Lehbs liegen nun aber nicht auf den bisher genannten Gebieten, sondern sie behandeln theoretische Probleme der Volkswirtschaftslehre. Neben den Aufsätzen „Die Durchschnittsprofitrate auf Grundlage des MAsxschen Wertgesetzes'' in der Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft, „Zur Lehre vom Preise" in derselben Zeitschrift, „Grenzwert und Preis" in den Jahrbüchern für Nationalökonomie, wie neben seiner „Politischen Ökonomie in gedrängter Fassung" (München, 1892) sind es vor allem die den ersten Band des von mir herausgegebenen „Hand- und Lehrbuchs der Staatswissenschaften" bildenden „Grundbegriffe und Grundlagen der Volkswirtschaft" (Leipzig, 1893), die einer Darstellung und Kritik der schwierigsten aller volkswirtschaftlichen Theorien gewidmet sind. In diesem Werke, das A. Wagner als eine sehr hervorragende Denkarbeit bezeichnet, die nach Methode und Schärfe der Begriffsbildung mannigfach an v. Hebmann erinnere, zeigt sich Lehr ohne Frage als ein Denker ersten Ranges, als ein scharfsinniger Kritiker, der nicht nur niederzureifsen, sondern auch aufzubauen versteht. Wie mit der klassischen, so setzt er sich hier auch mit der historischethischen und der neueren sogen. Osterreichischen Schule auseinander; daneben zieht er die mathematische Methode, die er eindrucksvoll zu handhaben wufste, in beschränkter Form heran. Seine Ausfüh rungen über den Wert, in denen er zu zeigen sucht, dafs „ zwischen der klassischen Werttheorie und der Theorie des Grenzwertes nicht ein Gegensatz von der Art besteht, als er bisweilen angenommen wird", zählen zweifellos zu den besten, die über diesen Gegenstand in der nationalökonomischen Litteratur aller Länder vorhanden sind.

Den „ Grundlagen und Grundbegriffen der Volkswirtschaft" wollte Lehr als vierten Band meines Hand- und Lehrbuchs der Staatswissen Schäften" eine Darstellung „der Gütererzeugung und des Güterverbrauchs in der Volkswirtschaft" folgen lassen. Leider hat ihn der Tod ereilt, bevor er das Werk vollenden konnte. In den wesentlichsten Punkten liegt es aber soweit ausgeführt vor, dafs es nur zum kleineren Teile einer Ausgestaltung im Sinne seines Verfassers bedarf, um zur Drucklegung zu gelangen. Mich dieser Arbeit zu unterziehen, betrachte ich als um so ehrenvoller, als ich in Julius Lehr einen treuen Berater in allen die Herausgabe meines „Hand- und Lehrbuchs der Staats Wissenschaften", wie meiner „Zeitschrift für Litteratur und Geschichte der Staatswissenschaften" betreffenden Fragen verloren habe.

£. Frankensteiu.

FÜR

LITTERATUR UND GESCHICHTE

STAATSWISSENSCHAFTEN/ ~" "*

UNTER STÄNDIGER MITWIRKUNG VON

Dr. M. Block, membre de l'Institut de France in Paris, Prof. Dr. H. Dietzel
in Bonn, Prof. Dr. C. Ferraris in Padua, Prof. Dr. B. Földes in Buda-
Pest, Prof. Dr. W. Hasbach in Kiel, Prof. Dr. J. Ingram in Dublin, Dr.
J. v. Keussler in St. Petersburg, Prof. Dr. J. Lehr in München, Prof.
Dr. Cort van der Linden in Amsterdam, Prof. Dr. B. Morgenstierne in
Christiania, Prof. Dr. A. Oncken in Bern, Prof. Dr. TJ. Rabbeno in Bologna,
Wirkl. Staatsrat A. Raffalovich in Paris, Dozent Dr. W. Z. Ripley in New
York, Prof. Dr. M. Salva in Madrid, Prof. Dr. E. Sax in Prag, Prof. Dr.
W. Scharling in Kopenhagen, Prof. Dr. K. Freiherr v. Stengel in Würzburg

HERAUSGEGEBEN
VON

Dr. KUNO FRANKENSTEIN

DOZENTEN AN DEE HUMBOLDT-AKADEMIE ZU BEELIN.

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