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II.

Ich bin ein moralisches Wesen.

Unter allem, mas id, meif, ist das das getuiffeste, daß ich Pflichten zu erfüllen habe. Eine Gtim: ene in mir ruft mir mit der größten Vernehmlidya feit zu: Du sollst, und ich kann eben so wenig en dem Dasein meiner Pflicht, als an dem Dasein meiner Vorstellungen, der Dinge in und ausser mic sweifeln. Wenn ich etwas thun soll wenn etwas neine Pflicht ist ; so bin ich sicher, daß jedermann ier es für meine Pflicht erkennt, es billiget, wenn ià ihr folge, und wenn ich so handle, wie ich hendeln soll. Denn, wenn er eine Handlung für mëne Pflidt erkennt, so erkennt er auch, daß fie geshehen solle, und muß sie also billigen, wenn sie gesoiehet. Dieses Gollen legt mir eine Verbindlich: keit auf, von der ich inich nie lossprechen kann. Id mag einen Versuch machen melden ich will, mich zu bereden, daß id, die Luste meiner Sinne nad Belieben befriedigen dürfe, wenn sie stark und heftig werden, daß ich wohl andere betrügen

dürfe, wenn es mir großen Vortheil und ihnen nicht sonderlichen Schaden bringt. Ich kann mid wohl einen Hugenblick betäuben; meine Neigungen können Herţ werden und thun was ihnen gefält. Aber der Zuruf der Pflicht kelyrt bald lauter und nachdrüdlicher in mich zurüď und erfüllt mich mit Bitterfeit und Reye. Oder wenn ich es auch so weit gebracht hätte, daß sich meine moralische Pius tur dnra) jene Gefühle nidt mehr ankündiget; so kann ich doch mein Gemüth niminiermehr so weit verlieren, daß ich die Handlungsweise, die der Pflicht wiederstreitet, in mir oder andern achten und das Gegentheil verachten könnte. Udjtung folgt unwillkührlich nnd unvermeidlich der Hand. lung aus Pflicht, und eben so nothwendig trist die Verachtung pflichtwidrige Handlungen, ich maç sie in mir oder in andern antreffen.' Sobald is mid) über eine Pflichtwidrige Handlung autreit, muß ich das Ilrtheil über mich selbst ausspredm, daß ich das Gegentheil hätte than follen; in verdamme mid, unwillkührlich für jede Übertreting der Pflidt, und meine Vernunft bietet mir richt einen triftigen Grund zur Redtfertigung der Entschuldigung an, der nicht durdh den lau eren und gewisseren Zuruf des Sollens wieder vemich: tet würde.

Diese Stimme der Pflicht ist nicht blog an

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mid, sie ist an alle Menschen gerichtet. Ulle mus: fen sie, mit dem Erwachen ihrer Vernunft, hó. ren, so sehr sie sich auch dagegen betäuben mögen. Mag der Betrüger sich über seinen Raub freuen; mag der schändliche Wollustling in den Armen eis ner Phryne der Keuschheit spotten, mag er selbs? aus den Thränen der von ihm betrogenen [djönen Unschuld Wollust saugen; mag der Bösewicht es nad und nad über sich erhalten, daß er feine schuldfreien Brüder mit kaltein Blute ermordet, und nur die Freuden der Nache, des Ehrgeizes oder des Eigennußes dabei fühlt. Achtung kann ihnen diese vermeintliche Großgeisteren dochy, auch in ihren eignen Augen nicht gewahren. Immer fchallt es in ihren Herzen wieder, daß sie das Gegentheil hätten thun sollen; und wenn sich ihnen unverinuthet Beispiele aufdringen, wo die gewissenhafteste Edonung des fremden Eigenthums, die schwerste Enthaftung des finnlidien Triebes, die hödjste Edätzung des Mens schenlebens in Undern, aus Achtung gegen die Pflicht sichtbar ist; so werden alle jene Helden fich kaum der Hochachtung gegen Beispiele dieser Urt erwehren können. Wenn die Tugend in Person erscheint; so zwingt sie auch den verworfenster Bő: femicht Berehrung ab, und läßt ihn seine eigne Steinheit fühlen.

Aber gesegt, es fände fid), aud unter den bere

nünftigen Wesen eines, das die Stiinme der Pflicht nicht in sich wahrnáhme, dem der Trieb seiner Nas tur das höchste Gefen wäre, der nur wollte, weil er müßte, nie wetl er sollte; so bin ich mir be: mußt, daß ich zu einer andern Gattung von Wes sen gehöre, als du vernünftiges Thier ohne Pflicht! Ich beneide dir dein Loos nicht, Du bist ein blos Bes Spiel der Natur und mußt ihr dazu dienen, wozu sie did, gebrauchen will. Die Vernunft hat sie dir gegeben, so wie sie dem Thiere Instinct verliehen hat. Schmeichle dir ja keines Vorzugs por dicsen! Wer weiß, ob die Vernunft ein so sicheres und gutes Mittel ist, die den Genuß zu versdaffen, wornach du strebt. Mit mir aber, un: seliges Mittelding, kommst du nicht in Gemein schaft! Id will dich brauchen, wie idmein Pferd und meinen Hund braudse, wenn did die Natur nidit etwa gar zu feindselig gemacht hat. Uber perlange nicht, daß ich mit dir Verträge schließen und Gesellschaften errichten soll. Deine Versprechen find nichts; denn wer weiß, ob did, nicht dein Vere nunstinstinkt morgen anders leitet als heute. Du bist bloße Natur, du stehst unter mir! Ich muß din nach meinem Wohlgefallen braudzen und handha: ben können, und, wenn ich dich auch misbrauche: To bist du es doch nicht, der mich deshalb zur Res

Henschaft ziehen tann, denn du haft Peine Rechte, peil du teine Pflichten hast.

Für mich ist unter allem was gewiß ist, das as gemisfeste, daß ich tugendhaft seyn soll. 23ozu n der Natur meine Sträfte bestimmt senn mögen, sozu das Wesen, welches Alles ordnet und regiert, as gebrauchen will was ich um mich sehe, dar: ber kann ich oft zweifelhaft bleiben; wozu ich aber nich selbst bestimmen soll, welches Ziel ich mir in allen neinem Thun und Lasien regen soll, darunter findet n mir nicht der allerkleinste Skrupel statt. Folge: einer Pflicht ist mit goldnen, hellen und un: uslöschlichen Buchstaben in mein Herz geschrieben. Der gute Wille ist das Ziel, welches in writec gerne über eine ungeheure Menge Swischendinge en Sonnenglanze hervorragt, wornadh idy allein treben soll, und worauf das Auge meines Gewiss ens unaufhörlid gerichtet ist, und die Fugend ist er schmale und einzige Pfad, der mich dahin ühret.,

Es ist etwas in mir, das Achtung heißt, ein eltsames ganz eignes Gefühl der Werthschäßung ind Verehrung. Nichts in der ganzen Natur kann s rege machen, als nur allein die Vorstellung, daß un des Sittengesetzes willen etwas da fen. allem was ich sehe, frage ich: wozu ist es gut? und nur nady den Zwecken zu meldjen es dient, fdjäge

Ben

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