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VIII.
Neue Werte, die nächstens erscheinet

werden.

In der Ofteřmeffe 1796 kommen in der Nico [aischen Buchhandlung zu Berlin heräus:*** Perlmårdige Rechtssprüche der halischen

Juristen Fakultät, herausgegeben von

D. Ernst Ferdinand Klein, Es :

s ist zwar schon längst. von Rechtsgelehrten be: anerkt worden, daß es Fälle gebe, wo nicht eigent lich das Gesek felbst, sondern nur die Anwendung des Gefelles auf den vorliegenden Fall streitig ist, und man hat daher auch die Preußischen Rihter

, wenn sie in zweifelhaften Fällen bei der Gesenkoms mission anfragten, inehrmals beschieden, daß es Die eigne Pflicht des. Richters und nicht der Gesen: Eoin mission sei, die Anwendung der Geleße auf die vorkommenden Fälle zu bestiminen. Allein so klar auch der Unterschied zwischen Zweifelhaftigkeit des Geleges felbft und zwischen der zweifelhaften 20 wendung der Gefeße dem bloßen gesunden. Men Idenverstande einleuchtete, so dien doch dieser llo: terschied, nicht logisch richtig zu seyn, vielmehr get wann es das Ansehn, als mußte entweder eine Rechtsfrage (quaestio juris ) oder eine streitige That: fache ( quaestio facri) vorhanden seyn, ecstere aber nothwendig ein zweifelhaftes Geset zum Grunde haben; wobei noch in Erwägung kommt, daß Man gel eines positiven Gefeßes in dieser Rüdjicht e nem zweifelhaften Gefeße gleich zu achten ist, weil alsdann darüber gezweifelt pirò, ,06 etwan de Naturrecht zur Anwendung zu bringen, oder ein positives Gesek, ausdehnend erklären seia

Der Herausgeber der obengedachten Rechtsfál

e fand bei meiterem Nachdenken, daß, weder fra gend ein allgemeiner Rechtssaß, noch irgend ein Faktum streitig ist, dennoch die Schwierigkeit der Entscheidung durin, bestehen könne, daß man nicht weiß, unter welchen Rechtssak, inan das besonde: re des Falles subsumiren soll. Zwar wird alsdann der Kurzfichtige das Gefen einer angelhaftigkeit anklagen, weil er aus Mangel der Urtheilskraft für jeden besondern Fall (casum in terminis) ein eignes Oeses sucht: aber der scharffüchtigere oder geübtere. Nichter wird einen folgen Fall mit Si: cherheit entscheiden, weil er die Ki'unst versteht, das, Faktum in feine rechtlichen Bestandtheile aufzulö, fen und für jeden den angemessenen Saß austina dig zuinachen. Hierzu gehört eine gute Urtheilda Braft, welche zwar da, wo sie die Natur ganz vece fagt hat, niet geschaffen, aber doch da, ivo sie im Keime liegt, durch Uebung entwidelt werden kann. Die Urtheilskraft ist nemitich naihdem, was Sfant in der Einteitung zu der fritit der Urthei{s: kraft darüber gesagt hat, das Bermögen';', dao besondere als enthaltend unter dem Augenreinert zu denken; und die Urtheilskraft des Richters ift gwar in so fern bestimmend (st'ant am angeführten Orte S. XXII. und folgende i als das Gefeß, woruna ter der Fall subsumirt werden soll, (dyon gegeben. ist: allein sie verfährt nach Art der reflektirenden Urtheilskraft, in, fo fern fie das Gesen, unter insia des der Fall fubfumirt werden foll, zuvor · auffü: dhen maß. Man muß auch nicht glauben, als ob' das Gedächtniß allen beschäftiget Fei, 010 die vere (chiednen Gefeße, unter welche etipa das Bernar dere des Falles fubsumirt werden könnte, dem Kich: ter gleichsam oor Jugen zu stellen; dern fonst wür. den diejenigen, welche das geübteste. Gedächtnig haben, auch die stärkste Urtheilskraft zeigen, en widtige Dienste auch das Gedächtniß hierbei leis ftet und so nothwendig es daher auch ist, es auf alle Weise zu bereichern; zu üben und zu stärken, - fo reicht es doch bei weitem nidit zu, um den gus

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ten Richter, zu bilden. <. Es gehört dazai étrie det von Gefühl, welches "zioar mit dem moralifchen viel ähnliches hat, aber von diesem darin verschies den ist, daß es die Zwangss und Gewissenspflichs ten richtig unterscheidet, und den Richter bei der Auflösung des Fattums in seine rechtlichen Bestande thrile leitet. Der Herausgeber verspart sich die weitere Ausführung dessen, was sich über die richs terliche Urtheilskraft sagen "läßt, zu einer andern Gelegenheit, und beinerkt hier nur daß auch die beste Urtheilsfraft einer Uebung bedürfe und eine fehr mittelmäßige durdj eine verständige und häus fiye Uebung zu einem hohen Grade der Vollkome trenheit gebracht werden köune. Diese fo nüßliche llebung besteht in der Beurtheilung dieser Rechts. fälle und zidar von der verschiedensten Urt. Da nün der Erfahrungskreis des Einzelnen selten weit, genug reidht, um ihin eine große Anzahl der mans giditaltigsten und fchwierigsten Fälle zur Enticheis dung vorzulegen : so ergiebt sich daraus der Nugen, welmer aus dem Lesen merkwürdigee von andern bearbeiteter Rechtsfälle erivächst. "Hiebei ist jedoch zu bemerken, daß dergleichen Sammlungen von Reditsfällen nur, in fo fern die Nufsuchung des 404 gemeinen, zum Besondern sdylvierig war, eine eigne Klaffe juristischer Schriften ausmachen, weil sie, in so fern sie Ausführungen von Rechtsjäßen entholten, eigentlich zu den Abhandlungen gehören, Es wäre zu wünschen, daß diejenigen, welche Nechtsfälle herausgeben, diesen Gefidytupunkt gehos rig: Fallen und uns nicht unter diesem Tahien bloße Sainmlungen von Abhandlungen liefern möchten, Zwar hat auch der Herausgeber die Schwierigkeis

teli, welche damit verbunden sind, erfahren; denn : so sehr er dud überzeugt war, daß der Hauptnuz:

gen foldher Rechtsfälle auf die Geschidytserzahlung. beruht und daß besonders soldhe Fille, mo die Zhursachen fehr verwickelt und die Auflösung in die rechtlichen Bestandtheile jehr schwierig ist, quages sucht-roerden müssen: You mußte er doch auf der an.

dern Geite verhüten, daß die Geschichtserzählung. dem Leser, nicht zu langweilig werde, weil lonit der, von dem Aktenlesen ermüdete Geld ichtsmann sich schwer entschließen dürfte, ein Buch zu ergreio fen, dessen Durchlesung eben lso verdrüßlidy ivare, als die eben bei Seite gelegten Otten. Daher hat der Herausgeber besonders auf folche Rechtsfále lehen müssen, wobei zugleid Kurze Desenswürdige Abhandlungen vorkommen, damit der gemeine jur ristische Leser das, was er den nüßlichen Inhalt nennt, nicht vermissen möge. Sein Hauptaugen.' merk blieb aber doo, solche Rechtsfälle darzustel, len, die sich entweder durd die Form der Darstele fung oder durch die schwierige Auffindung des Alle gemeinen zum Besondern auszeichneten.

Da, mo die Game" nicht wegen der dahin cinschlagenden zweifelhaften Rechtsfäße juristisch merkwürdig war, nahm er auf die píndologische oder politische Merts würdigkeit Rücksicht, und zuweilen mußte die Lus (tigkeit der Begebenheit den Lefer bei guter Laune erhalten. Dahin gehört besonders der 27te Rechts. fall, welcher die Leberfd)rift führt : Estebė die Gänsefreiheit. Es hatten nämlich in Bürom die Gänse sonst die Freiheit genossen, frei in des Etadt herum zu spazieren. Diese Freiheit wurde von Obrigkeitswegen verboten und dadurch ein Lumult und eine Kriminal: Untersuchung : veranlaßt. Der Herausgeber hat dabei folgende Anmerkung vorausgeschickt, welche hier des ivegen Plat gefune der hat, damit sie auch dem unjuristischen Public kum bekannt werden möge.

Der Geredite ecbarmt sich auch seines Biehes. Es scheint zwar, als ob dem Biehe bloß an der Nahrung, und wenig an der Freiheit, sich und seis ne Stimme im Publito zu produciren, gelegen tus refund als ob eben deswegen die Hirten der Vóle ker nur füc notho ärftiges Futter sorgen dürften. Åbep sollten nicht vielleicht die Bürger zu Búgom fich auf das Bedürfniß der Gänse beffer verstand den haben, als mandje Beziere und Dámagogen

auf das Bedürfniß der Bölfer? Nicht zu gedens ken, daß diese es zuweilen an Nahrung für Leib und Seele zugleich fehlen lassen, so scheinen auch jene besser eingesehen zu haben, wiewohl den Thieren aller Art freie Bewegung und freies Geschwas gedeihe. Die übrigen zweifüßigen Thiere müssen fich freilid; besdeiden, daß sie nicht alle Borrechte der Ketter des Stapitoliums genießen können. Ula sein so wenig die Gänse dos Kapitolium gerettet haben würden, wenn man sie am Schreien gehina Dert hätte; so wenig kann inan die der Heerde droe hende Gefahr kennen (ernen, wenn die Schnafe nur nach dem Tnkte des Hirtenstabes blöten dure fen, und den Hunden das freie Bellen untersagt: ipird.

Diese Warnung für die Hirten muss ich noch einen Zuruf an die Heerde beifügen. Wenn du ges treten wirst, liebes Vieh, so beiße nicht unbedachts [amer Weise in alles, was dir zunächst aufstößt. Die meisten Tritte gesdhehen aus INangel der Bors sidst, und nidyt aus böfen Millen ; deiner aber wartet, wenn du beißest, der Stadt, der Mauls korb und die Rette.

Besonders, liebe Gänse, mäßiget eure Stimme in Publiko, damit der Viertelsherr *) nicht eucer Spur folge, und nidyt dem öffentlichen Geschmas und dem freien Spaziergange zugleich ein Ende inade!

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1

) Die Viertelsberrn zu Büßom batten die frei herum fpa.

gierenden Gänse gepfändet.

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