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Zur Entstehung des franzöfischen Charakters trugen folgende beiden Linstände entscheidend bei: Die Nationalkultur ging von der Phantasie aus; und dies zu einer Zeit, wo durch den Despotismus Der Könige die verschiednen Provinzen Frankreichs mehr, als der Geist der Feudalaristokratie es in andern Ländern erlaubte, zu einem großen Staate vereinigt waren,

Schon war die Maiht der Feudalaristokratie durch die Könige geschwächt und der Geist der: selben durch den Anfang der freuzzüge und durch eine gewisse Sehnsucht nad Ubendtheuern hu m a: nisirt worden; schon war das Ritterwesen eine Bildungssdule des Adels, - schon hatte Ludwig der Siebente den fleißigen Bürgersinn in den städtischen. Gemeinheiten mit der Hofnung be: idenkt, Menschenrechte von dem Throne zu erhalten, als die liebliche Didytkunst der Troubadours in dem südlichen Frankreich begann.

Die Sroubadours unterhielten ihre Zuhörer ges wöhnlich von Abendtheuern aus Palästina und würzten ihre Erzählung mit Gpott über die Uns gläubigen, in welchem der erste Keim der franző: (dhen Satyre lag; oder sie untersuchten die Ges heimnisse der Liebe.

Bei den Bolfsfesten wie bei den Feierlichkeiten der Großen fehlte felten ihr Lied.

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Der Herzog diditete bald wie der niedrigste Bürger.

Gerichtshöfe der Liebe wurden errichtet. Diese Tribunale, durd welche der phantastische Geist der Nation neues Feuer erhalten mußte, wurden algemein. Königinnen hatten bisweilen dabei den Vorsitz. Ordensbänder wurden dabei in Cytherens Namen ausgetheilt und mit Begier gesude.

Von der Poesie und einem dichterischen Leben ging ihre Bildung aus und Kultur der Phantasie ward die Grundlage ihres Charakters.

Der Verfasser wünsdt der französischen Nas tion zu einem solchen Anfange Glüd. Was er darauf über die Gefahren und Vortheile einer folchen Cultur sagt und wie er fich dabei über deutsde Cultur äußert, ist zu wichtig als daß wir nicht gerne die Stelle zu weiterer ernstlichen Era wägung ganz herseßen sollten. Sie giebt mehr als Ein großes Thema zu solchen Untersuchungen, die den eigentlichen Zweck unsers Deutschlands be: treffen: ja wir seken die ganze Stelle in der Hof: nung her, daß sie manchen unsrer verständigen und denkenden Leser wohl zu öffentlicher Erörterung des Juhalts bewegen könne. In den Horen haben gewiß viele Leser, durch die ersten Seiten zurüd: geschre&t, diesen ganzen Uuffag, in welchem der

begre innre Mensch mit dem eingeengten Bürger oft in fonderbare Collision kommt, wo nicht gar überschlagen doch weniger als manchen andern bes achtet. Hier ist die tpichtige Stelle.

» Zwar ist es unvermeidlid, daß ein Bolf, welches die Phantasie vor allen andern Seelen: kraften ausbildet, leichter in unfittliche Ausschweifungen gerath, als eine Nation, welde fich mit kaltem Urtheile zu einer höhern Stufe der Kultur allmählig fortarbeitet, denn jenes hat fich einem weit unsicherern Führer anvertraut, als diese; feine Begierden werden lebhafter, die Gegenstände, wele che diefelben reigen, zahlreicher und anziehender, und das Laster verliert vor ihm seine natürliche Haßlichkeit, weil die Phantasie es mit ihren Blue men bedeckt; zwar ist gleichroohl fittlidhe Kultur das höchste Ziel, zu welchem jeder Staat hinstreben muß; allein es ist zugleich unbezweifelt, daß man nie zur Humanität gelangen wird, als durch Sule tur der Einbildungskraft, als durch das Gebiet einer anfänglich lasterhaften, dod allmählig mit Anmuth geschmücten Sinnlichkeit. Wenn auch ein Volf schon zu einem hohen Grade der Sittlichkeit durch die Herrschaft der Vernunft gekommen ist, darf es sich doch nicht schmeicheln, daß es auf der: selben ganz sicher stehe, denn die Sinnlichkeit giebt ihre Rechte nicht auf, und kein Mensch vermag

nur ivenni

fie derselben Jurd seine Vernunft zu berauben, weil er es nicht darf. Die Sinnlichkeit soll nám: lich durch Kultur, der Phantasie eine solche Anmuth erhalten, daß sie, unabhängig von der Vernunft, gleidjwohl nidyts begehrt und unternimmt, welches der Würde derselben 2bbruch thäte. Nur aus dem pöllig gleichen Bunde zivischen Sinnlichkeit und Vernunft, nicht aus der Herrsdaft der einen oder der andern kann ädyte Humanität hervorgehen, und

er geschlossen ist, kann zwanglose Bildung einer Nation eintreten. Die Griechen näher: ten lidh diesem fittlichen Zustande mehr als alle andere Nationen, wiewohl man unter ihnen vielleicht mehr Laster, als bei vielen andern auffinden könnte: die Franzosen kamen ihnen in dieser Rüdficht vielleicht mehr nahe, als fonst irgend ein neueres Volk, wenn gleich die französische Nationalbildung durdy Phantasie nicht den edlen Geist der griechischen erhielt. Die glüdliche Leichtigkeit bei der Nationen entsprang freilich aus' mancherlei Ue: fachen, aber die borzüglichste derselben liegt in den Charakter, der ihnen frühe durch die Einbildungskraft aufgedrüdt ward. Wem kein ähnliches glüdliches Loos gefallen ist, der bleibt selbst bei einer hohen Aufklärung feines Berstandes in einem pedantischen zwangvollen Zustande. Bollen die Deutschen zur Humanitat gelangen, so

ist es nothwendig, daß sie in der Aufo Flärung einige dritte zurüd thun, um der Phantasie eine größere Herro aft über ihre Geister zu verschaffen. ! ! !

Wir fahren fort unsern möglidst kurzen 2use zug zu liefern :

Alle Züge in dem Charakter des französischen Volfs lassen sich auf diese erste Bildung zurüd. bringent: fie find entweder gute oder (drinime Fore gen der Erziehung der Nation durch die Einbil. dungskraft.

Gleich im Unfange schöpfte dort die Phantasie aus einer unreinen Quelle; alle damaligen Ver. haleni Te erlaubten ihr kein ruhiges Fortbilden zu Idealen, hauditen ihr das Feuer der Leidenschaft ein; es fehlte an glüdlichen Veranlassungen, welche die Phantasie zur Schönheit hätten führen können. »Sie verbreitete daher ihre üppigen Ranten im Gebiete menschlider Leidenschaft an einem schmugis gen Boden; die griechische Einbildungskraft (ndite mit ihren Sprößlingen den reinen Aether der Kunst.cc

Die christliche Religion führte die junge Phantafie des französischen Volfs fern von der Gegend der Schönheit auf die Abwege eines abenteuer lichen Gesdmad's.

Von den Vo[Esfesten in Frankreich und den

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