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VIII.

Neue deutsche Werke.

zum ewigen Friedert. Ein Philosophischer

Entwurf von Jmmanuel Kant. Kös nigsberg bei Friedrich Nicoloius 1795.

(Kl. 8. 104. G. 8 Gr.) Diese wegen ihres tiefsinnigen Inhalts und mer gen ihrer lebendigen und Eraftvolen Schreibatt gleich merkwürdige Schrift unsers großen Lehrers und Meisters, ist ganz dazu gemacht, die Besorgnisse und Zweifel zu heben, welche einige der les tețn Auffäße des großen Mannes in Ansehung seis ner Denkungsatt über einige der interessantsten Punkte der praktischen Philosophie erregt hatten. Hier erklärt er sich mit einer Bestimmtheit, init ei: ner Freimüthigkeit, mit einer Stärke, die keinem Zweifel mehr Raum läßt: hier zeigt sich sein tiefer Geist in das reizende Gewand der wärmsten, der jugendlichsten Philantropie gekleidet. Uus feinem hohen Standpunkte, der die Menschheit und alles was merischlich ist, beherrscht, wirft der Lichtver: breiter seine Strahlen bis in die entfernteften Re: gionen, um desto sidhrer die nähern zu beleuchten, und kehrt sich nicht daran, wenn diese Strahlen hier ein Werk der Finsterniß erhellen, oder dort ein Blendlicht verdunkeln - Ein förmlider Auszug aus diesem wichtigem Buche wäre bei dem geringen Umfange desselben überflüßig: und, da es kurz nach seiner Erscheinung ins Französiscje überlegt, und auch in Frankreich mit Bewunderung aufgenom: men worden ist, so wird es sich höchst wahrschein: lich bald in den Händen der gebildeten Menschen aller Europäischen Länder befinden. Wir halten es nur hauptsächlich deshalb für nöthig, die Auf: merksamkeit des Publikums auf dies vortreffliche Produkt zu richten, weil von einer Seite die (hier

unnüke) Furcht vor einec zu tiefert und dunkeln Spekulation, von der andern Seite die irrige Mei: nung, es enthalte nur das, was St. Pierre und Rousseau schon gesagt hatten, manchen da: von zurüdschreden könnte, der es sonst mit großem Gewinn lesen und fassen würde.

Folgendes mag zu einer gedrängten Uebersicht des-Inhalts dienen. Erster 26 schnitt. Die Präliininar:Artikel zum ewigen Frieden. 1. »Es soll kein Friedensschluß für einen solchen gelten, der mit dem geheimnen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Striege gemacht worden." 2. És soll kein für sich bestehender Staat von einem andern durch Erbung. Tausch, Kauf oder Schenkung erworven werden können. 3. '• Ste: hende Heere sollen mit der Zeit ganz aufhören.. 4. • Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Handel gemacht werden.«

5. fein Staat loll lich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewaltthätig einmischen. 6. -Es soll sich fein Staat im Kriege solche Feinds seligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Bu: trauen im künftigen Frieden unmöglich machen,

als da sind, Anstellung der Meuchelmörder, Giftmische, Brechung der Capitulation, Unstiftung des Betr raths in dem befriegten Staat u. s. f.

3 weiter bidhnitt. Definitio : Artis kel zum ewigen Frieden.

1, » Die bürgerli che Verfassung in jedem Staat roll republifanija feyn.« -"Diese widztige Formel 'wird folgendergo stált näher bestimmt: Wenn man bloß auf den Unterschied der Personen, die einen Staat re: gieren Rüdridt nimmt, so ergiebt sich die Forut der Beherrschung (forma imperii, die ihlen terdings nur eine dreifache feyn kann, Allein: herrschaft (Antokratie) Herrschaft Mehte rer (Aristokratie) Herridaft uiler (Denota: tie). Ganz ein andres aber ist die Eintheilung der Staatsverfassungen in Rü&sicht auf die Art der Regierung (forma regiminis) diese ist ale

mal (wie auch die Form der Beherrschung bes schaffen sen) entweder republikanifd oder des

potisch. Der Republikanism ist das StaatsPrincip der 26sonderung der ausübenden Gewalt von der gesehgebenden. Der Despotism das dec eigenmächtigen Vollziehung von Geseßen, welche der Regent selbst gegeben hat. Demokratie kann nicht nur eben so gut Despotismus fenn, als Monarchie: sondern, was noch mehr ist: eigentliche Demokratie ist nothwendig Des spotismus. Der wesentliche Charakter der å epus Blik ist die Repräsentation des Volks in seie ner gereggebenden Qualität: alle Regierungsform, die nicht repräsentativ ist, ist eigentlich eine uns form u. f. w. 2. Das Dorfer: Recht muß auf einen Föderalism freier Staaten ges grundet regn.“ Der Friedens - Bund (foedus. pacificum) der diese Marime fordert, ist von einem Friedens. Vertrage (pacto pacis) dars in unterschieden, daß dieser bloß einen Krieg jes ner aber alle Striege auf immer zu endigen sucht. »Für Staaten im Verhältnisse unter einander kann es nach der Vernunft keine andere Art geben, aus dem geseglosen Zustande, der lauter Krieg enthält, zu kommen, als daß sie, ebenso wie einzelne Menschen ihre wilde (geseklose) Freiheit aufgeben, sich zu öffentlichen Zwangs = Gefeßen bequemen, und so einen Völker-Staat bilden. « 3, »Das Weltbürger-Recht foll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität einges schränkt sen n. « Es ist hier nid)t von derjeni: gen Hospitalität, welche die Menschlichkeit und das allgemeine Wohlwollen empfiehlt, sondern von der die Rede, auf welche jeder Erdbewohner ein Recht hat; n das Recht« nehmlich » seiner Ankunft auf einem fremden Boden, wegen nicht feindselig behane delt zu werden. In welchem Grade die diesem Recht correspondirende Pflicht, besonders von den handeltreibenden Nationen in allen ihren Außer: Europäischen Etablissements übertreten worden ist,

Deutschl. 28 St.

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und weldje Folgen dies für die Vermehrung und Beretvigung der Striege gehabt hat, weiß jeder, Der die lieucre Geschichte kennt

Auf diesen zweiten Abschnitt folgt ein Zusah unter dem Titel: Vun der Garantie des emis gen Friedens. In diesem Kapitel wird gezeigt, was die Natur, oder die Welt-Negierung (unabhängig von den ins menschliche Herz geleg ten sittliden Triebfedern zum Frieden) für die Entstehung und Aufred; thaltung eines gefeslichen Zustandes in ullen menschlichen Verhältnissen ge than hat, indem sie durch dringende Bedürfnisse aller Ürt, und selbst durch das Elend meldes der frieg der iin Niaturstande unvermeidlich ist hers beiführt, zuerst die einzelnen Menschen in eine Staatsverbindung drängte, dann die verschiednen Staaten mit der Idee eines Völker: Rech es immer vertrauter macht, und endlich durch den Handelsgeist alle Nationen nach und nach in eine iveltbürgerlidie Vereinigung zieht,

Der Anhang besteht aus folgenden izwei Abfufnitten. I. Über dié Mißhelligkeit gti rden der Moral und Politik in Abjicht, auf den ewigen Frieden. Es kann und darf eigentlid, gar keinen Streit zwischen der Polimp und der Moral geben: denn die Noral redet als senthalben zuerst, und weicht nicht ein Haar brent aus ihrem unverleßlichem Gebiet. Zur Xmfloung des Problems der Staats - Selugheit, « hef es in dieser vortrefflichen Abhandlung, - wird viel Kenntniß der Natur erfordert, um ihren IN:dar nism zu dein vorgesetzten zwei zu benußen, und doch ist alle diese ungewiß in Ansehung ihres Rie sultats den ewigen Frieden betreffend; dagegen drängt sich die Auflösung des Problems der Staats-Weisheit fo zu sagen, von felbit auf, ist Jedermann einleuditend, macht ale står stelei zu Schanden, und führt dabei gerade gura Zwedł, dod mit der Erinnerung der Klugheit, ils nicht übereilter Weise mit Gewalt herbei zu ziehen,

bon

fondern sich ihin nach Belchaffenheit der Ilmstände unabläfig zu nähern. Da heißt es dann: Iram. tet allererst nach dem Reiche der reinen praktischen Vernunft, und nach seiner Ges rechtigkeit, so wird Euch Euer Zwed (die Wohlthat des ewigen Friedens) von selbst zufal: len u. T. f.« II. Bon der Einhelligkeit der Politik mit der Moral nach dem trans: fcendentalen Begriffe des öffentlichen Rechts. – Jeder Redits - Ansprud hat die Fä. higkeit der Publizität, und wenn man allem Inhalt desselben gänzlich abstrahirt, muß doch immer noch die For in der Publizität daran übrig bleiben.

Man kann daher folgenden Gak als den Probirstein des öffentliden Rechts ansehen: » Jede auf das Recht andrer Menschen bezogne Handlung deren Marime fich nicht mit der Publi: zität verträgt, ist unrecht. Dies Prinzip ist ins . dessen nur ein negatives: denn nicht alle Marimen, welche Publizität vertragen, sind dar: um auch gerecht; (so wie z. B. der weldier große Madt besigt, oft auch offenbar ungerechte Marí. mien kund thun darf). Ein affirmatives Printzip des öffentlichen Rechts würde folgende Formel fenn: Alle Marimen, die der Publizität bed ü r': Fen (um ihren Zwed nidt zu verfehlen) stimmen mit Recht und Politik vereinigt zusainmen.«

So ist der Haupt : Gang der ydeen in dieser überaus merkivürdigen Schrift beschaffen. Aucs was die Ausführung leistet, hier auch nur kurg zu berühren wäre unmöglich. Der Vortrag des gro: Ben Mannes in welchem ein Original - Genie voin ersten Range sich mit einem bewundernswürdigen Reichthum von Stenntnissen und Gedächtniß - Gdja: Ben aller Art gattet, ist eine unversiegbare Quelle der köstlidisten und mannichfaltigsten Belehrung. Die wichtigen Neben. Ideen, die frudytbaren Berichtigungen fo mander wesentlichen Punkte des Staats-Nechts, die feinen, launigten, oft in G wif: tischen Geiste erzeugten Bemerkungen und Züch.

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