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annehmen, daß die positive Beförderung des ger meinen Wohls ein Merkmal sei, wodurch sich der Staat von der bloßen bürgerlichen Gesellschaft unter: (dheidet. Verfassungsmäßiger Zwang kann auch allein zur allgemeinen Sicherheit angewendet werden, und die Wiege der meisten Staaten war die Eigen: macht des Herrn oder Hausvaters, welche sich erst in der Folge in einen ordentlichen Staat entwidel: te. Da nun der Herrscher gewohnt war, das Wohl der Diener nur, in so fern es zu dem seinigen fülyrte, zu beachten, und audy tvohl die erwad ses nen Kinder noch als unmündig zu behandeln, so läßt sich der Zwang leicht erklären, welcher angeblich zur Beförderung des positiven Wohls der Einzels nen angewendet wurde. Was meinen Sie wohl, wird nicht die Nation, je mehr sie mündig wird, auch um so mehr darauf Bedacht nehmen, daß ihr Herrscher ihre Freiheit nicht ohne Noth oder wohl gar aus vermeinter guter Absicht zu ihrem Nachs theil einschränke.

A. Ich sehe wohl, wo Sie hinaus wollen. Sie wollen nähnlich zu verstehn geben, daß der Staat bei feiner ersten Entstehung dem Regenten eben deßwegen eine uneingeschränkte Gewalt eins räumen werde, weil das Volf die damit verbundes nen Mißbräuche noch nicht fennt. Joh gebe auch gerne zu, daß dieses gedrungen durch die übeln

Folgen der Anarchie seinem Herrscher gleich anfangs ohne alles Bedenken alle die Macht einräumen werde, welche erforderlich ist, wenn das, was nur gesellschaftliche Sträfte zu leisten vermögen, bewirkt werden soll. Je unmündiger das Bolt felbst ist, desto weniger wird es im Stande seyn, den Unter: fchied zivischen einem Regenten und einem Bors Inunde zu empfinden, ja, es wird sogar gerne sehn, daß der Herrscher sich als einen Pormund des Volks betrachte, weil er eben dadurch die Verbindlichkeit anerkennt, nicht zu seinem eigenen, sondern zu des Volkes Besten zu wirken.

Aber eine Hof lichkeit erfordert die andre. Ich hoffe, Sie wer: den nun auch eben so bereitwillig eingestehn, daß eine, auf eine rechtliche Weise durch die Einwillis gung gler entstandene bürgerliche Gesellschaft, überhaupt sich nur ungern einer Herrschaft untermers fen, und also auch sehr abgeneigt senn werde, dem Herrscher ein größres Recht einzuräumen, als zu ihe rer gemeinschaftlichen Sicherheit erforderlich ist. Von Zwang zu Beförderung des positiven Wohls wird also anfänglich nicht die Rede fenn: aber glauben Sie wohl, daß die äußere und innere Sicherheit des Staats ohne Macht, Macht ohne Reichthum, Reichthum ohne kluge Leitung der Staatskräfte be stehn könne? Wird also nicht das Voll oder die Regierung, oder der Herrscher, weldher an des Vol:

kes Statt handelt, am Ende gewahr werden, daß die Regierung auch zur Beförderung des positiven Wohls der Mitglieder wirksam fern müsse? Hat also Schlözer nicht recht, wenn er die Beförderung des positiven gemeinen Wohls als die späte Frucht des Nachdenkens über die Natur der bürgerlichen Gesellschaft, betrachtet?

B. Jd halte es für fehr un höflich, nachzuges ben ehe man überzeugt ist; denn es sekt Schwäche bei dem Andern und schonende Nachsicht auf Seio® ten des Nachgebenden voraus. Also nicht aus Höfe lichkeit, sondern weil Ihre Gründe es erfordern, räume ich ein, daß der bloße Zwed der Sicherheit bei der jeßigen Lage unserer Europäischen Staaten auch die Beförderung des positiven Wohls und al. so das Streben nach Reidthum nothwendig mache. Uber auf diese Art kämen wir ja zu widersprechen. den Resultaten. Sehn Sie nun, was wir beide für wunderliche Leute sind! Wir räumen einander wechselseitig das ein, was unsre eigne Behauptung, welche doch der Andre für recht erkennt, völlig auf: zuheben scheint.

2. Wir wollen fehn, ob wir diesen Widers spruch nicht heben können. Wir können nähmlich den rechtlichen und den historischen Gang, welchen die Sache nehmen muß, unterscheiden. Sehn wir auf das, was zu gedhehr pflegt, fo tvird die Sache

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meistentheils fo zugehn, wie Schlöger es, vorauss setzt. Ist nähmlidi eine wahre bürgerliche Gejell: fellschaft vorhanden, so wird diese, ungeduldig jes des Zwangs , ihrem Herrscher nur so viel Gewalt einräumen, als zur Erhaltung ihrer äußerlichen und innerlichen Siderheit fplechterdings nothwena dig ist. Erst in der Folge, wenn sie des Zwan: ges mehr gewohnt ist, und wann sie Staaten ne ben sich sieht, deren Übermacht durch Reichthum, und deren Reichthuin durch Zwang befördert wors den, wird sie anfangen ihre Nachbarn,

auch in folchen Anstalten nadzuahmen, gesetzt auch das sie die Siderheit allein als den (eßten Zweck aller dieser Ünitalten betrachtete: Es ist nidjt gar lange her, daß man in manchen Ländern Polizei und Finanzerei als Übel betrachtete, denen sie mit Got: tes Hülfe bisher noch entgangen wären. Ilm nidt zu weit hinter seinen Nachbar zurück zu bleiben, mußte man sie auch in solchen Zwangsanstalten nadyahmen.

B. Niennen Sie dies den historischen oder den rechtlichen Gang der Sache?

4. Jú) nenne ihn den historischen Gang der Sache, nicht, weil ich ihn eben als widerredytlich betradytete, sondern weil er sich allein aus zufälli: gen Umständen erklären läßt. Der rechtliche Gang, welcher sich aus der Natur der Sache ergibt, ist,

Wenn

meines Eraditens, folgender: Dem Herrscher wird die Ausübung der ganzen gesellschaftlichen Gewalt übertragen. Einschränkungen, weldie nicht gemacht worden, können nicht vermuthet werden. Dem rechtlichen Gang der Sache ist es alio gemäß, daß der Herrscher anfangs eine uneingesdyränkte.Ge balt ausübt, welche erst in der Folge, wegen der erfahrnen Mißbräuche, eingeschränkt wird..

B. Die dem Herrscher übertragene Gevalt kann wohl nur in fo fern auf die Vergrößerung des Wohlstandes und der Macht angewendet werden, in lo fern dieser Wohlstand zur äußerlichen und innerlichen Sicherheit nothwendig ist. freilich dieser Schritt einmal gethan ift, so wird es schwer seyn, zu unterscheiden, ob der Bohlstand um seiner selbst willen, oder nur als :Mittel zur Sicherheit beabsichtiget werde. In der Folge wird also nur der Mißbrauch des Rechts für den positi'den Wohlstand der Bürger zu - forgen, auf Ein. schränkungen führen; denn die Erfahrung wird zeis gen, der Einzelne finde, einige wenige Fälle abs geredynet, leichter wodurch er sich bereichern könne, als der Staat, welcher für ihn sorgen will, und ich hoffe, man wird endlich überall dahin kommen, daß man den Zwang nur zu Beschüßung der allgemeinen Freiheit 'anwenden, den Wohlstand aber durch Anstalten, woran ein Jeder nach Belieben

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