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Minuten gute freundliche Gelellen werden.

Diee ses Glüd muß ich aber gestehen, ist mir bis jest auf Reisen viel seitner bei Gelehrten als bei Künste lern und andern Männern bürgerlichen Gewerbes geworden.)

Doch ich vergesse ganz daß ich Dir von einigen Berlinichen Bekanntschaften schreiben wollte. Man reicht seinen Geliebten gerne gleich die besten Früche te des Forbes, und so sprech' ich Dir auch um liebsten zuerst von Spalding und Seller. Bei dies sen beiden braven Männern ward mirs so gut, oh: ne viele Umstände empfangen zu werden; beide fand ich in ihrem Schlafrode unter ihren Büchern am Gdyreibtische, und mit beiden hab' ich in wahr haft angenehmer und Tehrreicher Unterhaltung einie ge Stunden zugebracht.

Spalding ist ein großer ansehnlicher Mann,

, Das ist sehr begreiflich. Nicht zu gedenken, daß unter

den (Helehrten eine weit größere Anzahl unverheiratbet zu bleiben pflegt - woran auch Männer, die sich abe fichtlich der Ergründung und Förderung einer Willeute schaft mit Eifer widmen, gar nicht übel thun mögen, zumal da es ihnen leichter wird als dem der Phantasie und Sinnlidfeit reizende Sechafte treibt, und über. all mebr mit und in der Welt lebt – gewährte auch die Lage der meisten (Helehrten als Schul: und Stirchenleb. rer ihnen selten die Vortheile, die zu einem bebaglichen und fröhlichen häuslichen Leben in Stadten erfordert werden.

4. d. .

der sich auch noch troß' der siebzig Jahre die er verlebt hat, sehr gerade und frei trägt. In reinem ganzen Wesen ist eine schöne Uebereinstime mung und sein Äußers der reinste Abdruď seiner Geele. Sein Blick, seine Manier, rein Sang, die Bewegung seiner Hände und seines Kopfs, alles hat den edlen und zugleich milden und gefälligen Charakter, der seine Beredtsamkeit bezeichnet. Der Ton seiner Stimme ist äußerst angenehm und sanft: eindringend; sein Ausdruck ist natürlich, rein und edel. Seine sihiedifipommersche INundart, nadı welcher er das s vor einem Consonanten nid)t gleich den Obersachsen und den Einwohnern der meisten südlichen Provinzen Deutschlands wie sch, sondern wie die Teiedersachsen ausspricht, und sein í undő hat für mich auch etwas fehr Liebliches und war mir doppelt wohlgefällig in seinem Munde, eh' ich erfuhr daß es seine vaterländische Mundart ren. Joh glaubte er habe sie aus freyer Wahl anges nominen um deutsch ro rein zu sprechen wie mans schreibt. Du weißt daß ich dieses besonders von Gelehrten zu hören wünschte, und daß id, es je: derzeit für Leute die viel in den verschiedenen süd. lichen und nördlichen Ländern Deutídlands reisen oder gar abwechseld darin leben für das einzi. ge sichere Mittel hielt zu vermeiden, daß sie nicht am Ende einen ungeheuern Mischmasd von Pro vinzialdialekten annähmen.

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Spalding úbt in seinen Unterredungen zwei Stünste, die beide den meisten Menichen und fast noch mehr den meisten Gelehrten zu fehlen scheie

Er versteht zu fragen und versteht anzuhör

Idh habe fast nie einen Mann gesehen, der selbst so angenehm spricht und so ausgebreitete mans nichfache Sienntnisse hat und dennoch mit der Ru: he und Uufmerksamkeit den andern ganz aushört. Nichts bezeichnet aber so sicher den geseßten Mann und ernstlichen Wahrheitsforscher als diese Fähig: keit die kleinen und großen Einwürfe, die jedem denkenden Menschen und vernünftigen Zweifler fast bei jįver Rede des Andern aufsteigen, an sich halten zu können, bis der Undre rid).gang erklärt hat und seine Meinung ganz gefaßt worden ist; und nid)ts bezeichnet sicherer den Mann von Chas rakter und ächter Bescheidenheit als die Ruhe, wel: die den andern alles das willig vorbringen läßt, was seine Rede andeutet und verheißt, ohne mit Gier nach der eitlen Ehre des Errathens, wo der Undre eigentlich hinaus will, zu jagen, oder ihn gar das Resultat als wäre es eine uns längst be: kannte Sadje, als wäre es unsre eigne aite Mcis nung gewesen, vorweg zu nehmen. Dieses ruhige Anhören ist überdies nothwendig um die Meinung des Undern wirklich zu erfahren. Die Kunst zu fragen bat ebenfalls ihre besondern Borschriften.

m Außer den Borsichtsregeln, welche die Billig Feit

und Menschlichkeit jedem guten Menschen beim Fragen fühlbar machen, will die Klugheit, daß ich die Frage nicht allo stelle, daß meine eigne Meis nung (con daraus erhellt. Wenige Mensden ha:

ben den Muth ihrem Gegner, besonders wenn dies de fer ein angesehener und achtungswerther Mann ist,

ins Gesicht zu widersprechen, und fallen, oft bloß aus Mißtrauen zu ihrem Sprachtalent, wenn auch nicht ganz doch einigermaßen der Meinung des andern anscheinend bei. Den meisten Gelehr ten ist aber auch nur darum zu thun immer mehr Stimmen für ihre Meinung zu samineln, oft begnügen sie sich gern init der offenbar blos ans scheinenden Beistimmung und schmeicheln fid in füßem Selbstbetrug.

Von dieser Schwachheit scheint mir Spalding - (und so auch Teller )

ganz fren zu seyn und ich bin nie auf den ersten Anblick von einem Men. fájen inniger überzeugt gewesen daß es ihm um Ergründung der Wahrheit, ernstlich zu thun sei.

Unsre Unterredung ward von neuem auf eine angenehne Weise belebt durch die Hinzukunft seis nes jüngern Sohnes, der mich gleich beim Eintritt ins Zimmer durd, seine große physiognomische Rehn. lichkeit mit dem Bater für sich einnahm. Es ist ein füßes Gefühl das Wesen eines ehrimürdigen Greis

ja

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ses in seinen Kindern berjüngt und vervielfältigt zu sehen: nie genoß ich es angenehmer als in dies sem Augenblick; nie hab' ich in meinem Herzen ei nen braven Vater glüdlicher gepriesen als da ich Gpuldings Haus verließ. Als Philolog und Dich: ter war mir der junge Mann schon aus einigen Dissertationen, Auffäten und Gedichten in der berlinischen Monatsschrift bekannt, und fo fudit ich unser Gespräch - welches bis dahin über einis gen Materien weilte die Spalding in seinen dor: trefflichen Vertrauten Briefen kürzlich so sein behandelt hat, und uns eben auf den unglüdlichen Doctor Barth, den ich kürzlich in Halle gesehen, geführt hatte ich suchte es nun auf Barths Ver: dienste als Philolog zu lenken.

Und bald ward es eines der lebhaftesten und reichhaltigsten die ich je geführt habe. Der junge Mann war noch gan; voll einer angenehmen Reise auf welcher er mit iden edlen Brüdern Stollberg und mit Ebert und andern würdigen Männern sehr frohe Lage gelebt hatte. In seinen Schilderungen, Bemers *kungen und Anspielungen, die zum Theil eine eigne mißige Anwendung hatten, zeigte er eine Unbei fangenheit und Reinheit des Charakters, die mich ganz für ihn einnahm. Seine Offenheit und Freio müthigkeit, die er im Angesichte seines ehrwürdi. gen Vaters so ganz frei und auf seine eigne jua

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