網頁圖片
PDF
ePub 版

Nur in Stunden ruhiger Eingezogenheit, wenn das Gemütly, weggewandt von allem eitlen Welte geräusch, in sich kehrt und in voller Ginnenruhe init festem heiterm Blid über sich selbst schwebet, so jede Bewegung treu beachtet, ihr sorgfältig nada spürt woher und wohin, und jeden Anklang bers gangener Zeiten auffaßt und erwäget

nur in soldhen seligen Stunden vermag der gute, sich selbst getreue Mensch mit sich ehrlich zu Rathe zu gehen, Wie weniger Menschen Leben gedeiht aber zu fole cher Ruhe! Millionen vergeuden ihr ganzes Leben, ohne nur je zu dem Gedanken daran zu kommen! Wie wenige unter den Tausenden, denen sich der Gedanke wohl einmal aufdringt, haben den reinen guten Willen recht ehrlich dabei zu Werke zu gehen! Und die, welchen auch dieser Wille nicht fehlt, von wie viel eiteln kleinen Dingen sind sie so eben umringt ! - Das ist ein schlimmer Um: stand, « antwortete der naive, ehrliche Morig, als einst bei einer Unterredung über diesen tvidtigen Punkt in frühern Jahren seines ungestümen Treix bens ein treuer Freund ihm sagte: »Du mödytest wohl, du (diebst es aber stets auf übermorgen, weil du morgen erst noch eine Thorheit auszuführen hast.« Das ist ein schlimmer Umstand,« erwies derte treuherzig der ehrliche Mann. Wie wenige gelangen nur bis zu dieser Ehrlichkeit!

Ift es dem guten Mensthen aber einmal ge: sungen dies eitle Hin- und Her-Sdwanken zu enden, die tausendfach kreiselnden Wellen auf der Ober: flåde fest zu halten, und blickt er nun mit ruhigeni, fidhern Blid in die Tiefe feines Herzens durd): drungen von dem füßen Uhnungschauer einer neuen, bessern Existenz, dann ruft er gewiß: ich will! Und mit jedem Rüdblid in die Tiefe, mit jedein Ueberbli& über die verworrene Lebensfläche wird sein Wille sicherer und fester. Gelangt er aber erst zu diesem reinen guten Willen, dann geht er muthig mit sich zu Werke und kämpft willig gegen alle die tausend Hindernisse, die jedes Lebensverhältniß, fast jeder Moment den er mit andern, verlebt seinem edlen Geschäft in den Weg stellt. Erschredt ihn anfangs auch das unabsehlich bers worrene Gewebe von Neigungen und Lüsten, er kehrt doch wieder in fich zurüd und wird bald ge: wahr, daß jene Neigungen alle auf Liebe und Ane hänglichkeit an geliebte Wesen hintreiben, und daß

nur erst die eines liebenden Gemüths würdigen Gegenstände deutlich erkannt hat, sein Herz sich gerne nur an sie hängen wird.

Aber wie nun mit dem Verstande zu einer von Grunde aus treuen Untersuchung und Erfor: (dung des wahren Werthes der Dinge um míchy her, und des innern Zustandes meines Gemüths

wenn er

gelangen? daß keine Jugend eindrücke, keine Lehren, die dem blinden Glauben aufgebürdet wurden, keine Autoritäten keine unordentliche Neigungen mein Urtheil irre führen?

O es ist ein großes Wort: von vorn mit sich selbst zu Rathe zu gehen! Und dod kann selbst der fähigste gutmüthigste Mensch nur auf diesem Wege fpirklich aufs Reine formen, tpirklich sicher werden, daß er nicht bald unter dieser, bald unter jener Gestalt ein Sclave der Meinung Anderer und ein Spiel der boshaften Klugheit hershfüchti: ger Geister werde.

Jeder Begriff der mir lourde, komm' er aus dem Munde meiner Umnie oder ineiner Lehrer, meiner Gespielen oder meiner Beherscher, jedes Wort womit ich diesen Begriff bis jest bezeichnete, muß vor dem innern Richter erscheinen; id, muß ge: wiß werden, was ich davon weiß und wissen kann, was für einen Einfluß es auf mein Leben hat und auf meine Vervollkommnung haben kann.

Jeder Neigung, die mid bisher trieb, niuß ich auf den Grund kommen. Was regte sie in Be. wegung? Was trieb mich sie zu nähren? sie zu verfolgen? Kann sie mit ihren guten Geschwistern und mit den rechtmäßigen Anforderungen meiner gleidhbegabten Brüder bestehen?

Jeder Gegenstand, auf den meine Neigungen

[ocr errors]
[ocr errors]

fielen, muß treu untersucht und gewürdigt tverden. Und bald wird sichs ergeben, daß ich von Kindesbeinen an ein Sclave unzähliger Neigungen war, die blinde Nachahmungssucht in mir erzeugten, und die zur Bequemlichkeit und Sicherheit meiner trás gen und herschlüchtigen Erzieher und Führer in mit genáhrt wurden; bald wird sichs zeigen, daß die meisten Gegenstände, nach denen ich mit erhisfer durdy Unsteckung erzeugter Begierde jagte, der Mühe gar nicht lohnten, mir selbst äußerst wenig Genuß getährten; es wird sich zeigen, daß selbst der Genuß, der das Gefühl meiner wirkenden Sträfte mir gewähren konnte, meistentheils vere loren ging, weil meiné Neigungen auf Gegens stande fielen, die entweder nicht zu erreinen wa: ren, und so nur ein Gefühl der Ohnmacht, des drüdenden Widerstandes mir ließen, oder deren Besik und Genuß meine Sträfte selbst untergruben. Bald wird sichs zeigen, daß die meisten meines Neigungen aus verwerflicher Quelle flossen, daß daß regellose Spiel der Neigungen anderer um mich her fie in Bewegung sente und daß sie am Ende auf allgemeine Zerstöhrung hinauslaufen. Ja es wird sich bald zeigen, daß ich leichter zu erlangende Genüsse, die mich wirklich hätten be: glüden können, die auch unschuldigerer und mit: theilenderer Natur waren, vernachläßigte, und

daß ich mich immer weiter von ihnen entferne ; je eifriger id, in dem allgemeinen Wettlaufe dem Ziele zutreibe, das Thorheit oder Eigennuß den verblendeten Wettrennern auf der verkehrten Seite der Bahn gestedt hat.

Wollt ihr aber die zahllosen Jrrthümer und Vorurtheile, die regellosen Neigungen, die ihr bei solcher ehrlichen Radfordung in eurem Innern festgenistet und häuslich eingewohnt finden werdet, ganz erkennen und von ganzen Herzen veraditen Lernen, fo müßt ihr jeder heuchlerischen Entschul: digung, jeder gleisnerisớen Beschönigung rein eut: sageri.

Wehe dem, der in der Scheinheiligkeit einen Dedmiantel für seine innre Häslichkeit, in dem Glauben an die allgemeine Schlechtheit und Ver: Kehrtheit der menschlichen Natur seine Rechtfertigung zu finden glaubt! Besser wär' es ihm, er wäre den gemeinen Weg des Fleifdes fortgegangen.

Was half es dem armen Genfer, daß er die unedelsten Erze aus seinem: Innern zu Tage für: derte, um seine Polierkunst daran zu üben? hat er sie zu edlen Metallen umgewandelt? Welchen un: befangenen Mann, den die muthwilligen Leiden des IInglüdlichen nidt inehr täuschen, bei dem nicht eigne Schwachheit oder schlechtheit wohnet, die gern eine geheiligte Freistäte im Schuße des eitlen

« 上一頁繼續 »