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sich, weber von Substanz nod) von Gott, am Wenigsten aber von Wahrheit die Nede. Trotz der größten Zirbeltruje (in welche Cartesius den Sitz des Denkens verlegt) hätte ohne Sinne und sinnliche Erscheinungen nie ein Mensd) einen Gjes danken gehabt. Und trotz allen angeborenen wie inspirirten Ideen, wovon die Philosophen faseln, wäre Cartesius wie Leibnitz, Kant wie Hegel ein Kretin geworden, wenn sie ohne Gesicht und Gehör, Gefühl, Gerud) und Gejdımad auf die Welt gekommen oder a la Raspar Hauser von äußern Wahrnehmungen wären abgeschnitten worden. Die Gegner des, Materialismus“ sudyen ihre lette Nettung in dem Hins weis auf die, namentlid) von Rant entwickelten Formen des Denkens, die uns inwohnen, wenn audy, wie sie zugestehen, das erste Material des Denkens von Außen kommt. Die Natur, sagen sie, liefert uns Gegenstände, aber wo liefert sie uns Begriffe und Sdlüsse? Man könnte ihnen antworten: Die Natur liefert uns Fleisdy und Früdyte, aber wo liefert fle uns Speisebrei, Chylus und Blut ? Daß der Magen, die Leber, die Lunge in einer bestimmten Weise die Speisen in Blut verwandeln, kann eben so gut auf die spiritualistijde Rechnung geschrieben werden, wie daß das Gehirn die aufgefaßten Gegenstände in einer bestimmten Weise zu Denkoperationen benutzt. Mit der Behauptung, daß dem Menschen bestimmte Denkformen, bestimmte Funktionen der DentEntwickelung inwohnen, ist nichts weiter gesagt, als daß der mensdylidhe Organismus eine bestimmte Einrichtung besigt und das Gehirn eben so gut nach bestimmten Regeln operiren muß wie der Magen und sonstige Organe. Und wer es unbegreiflich finden will, daß das Gehirn das von Außen durd, sinnliche Auffassung.enipfangene Denkmaterial in anderen Formen und Aeußerungen wieder produzirt, als den ihm durd, die Sinne zugeführten, der muß es auch unbegreiflich finden, daß, was wir als Fleisd), Brod u. 1. w. in den Mund steden, als Haar, Nägel u. f. w. an unserm förs per wieder zum Vorsdyein kommt, oder gar in seinen Wirfungen als Herzschlag, Nerventhätigkeit und peristaltische Bewegung auftrit.

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Uebrigens hat meines Wissens noch kein Philosoph die verfängliche Frage beantwortet, wie es mit den Denkformen Der Thiere stehe. Es wird Niemanden mehr einfallen zu leugnen, daß die Thiere, wenn sie auch kein Selbstbewußte sein haben und feine Betradytungen über sid) selbst anstellen fönnen, mit Denkfähigkeit begabt sind, Sdılüsse ziehen und danady Entídyliisie fassen wie der Mensdy. Sie finden diese Schlüsse u. f. w. eben so wenig in der äußern Natur wie wir, folglid, sind wir genöthigt, denselben den nämlichen lirsprung zuzuerkennen wie den Denkformen des Menschen. Daraus folgt aber für die Philosophen die Nothwendigkeit, ihre ,,idealistischen“ und „göttliden“ Herleitungen auch auf die Thiere auszudehnen und diesen die nämlidyen überirdischen Aussidjien zu eröffnen wie sich selbst. Warum thun sie das nicht? Warum ?

Das Fundament aller Wahrheit liefern also einfach die Funktionen unserer un philofophif dyeit fünf Sinne und Dasjenige, was wir mit ihrer Hülfe aus der unphilosophischen Natur, dieser Scheinwelt der Spiritualisten, in uns aufgenommen und mit dem Gehirn verarbeitet haben. Das Denken ist von der Natur untrennbar und die Lehre von der „Identität des Denkens und Seing" kann einen wahren Sinn und die rechte Anwendung nur erhalten durch Ausdehnung auf die Natur, oder vielmehr durch Rückverfolgung in die Natur, indem sie darthut, daß der Mensdy, als ein mikrokosmisches Probuft der Natur, durch diesen Ursprung die Fähigfeit erhalten hat, fie auf sinnlichem Wege wieder in sic) aufzunehmen und ihr Sein denkend zu reproduziren. Danad) würde sich der Ausdruck ändern in: Identität des Denkens mit dem Natursein. Weg also mit der philosophisd)en Sdyatten- und Gje: spensterwelt, womit die Mensdyheit seit Jahrtausenden genarrt und der gesunde Menschenverstand eingeschüdytert worben ist! Setzen wir den Fuß fest auf, auf diesen irtijden Boden, und vertrauen wir darauf: es gibt eine Wahrheit und die Natur ist ihre Quelle und der Mensd) ist ihr Maß. Es mag jein, es ist sogar wahridyeinlid), daß auf andren Welt - Körpern Wesen eristiren, weldie es in der Welterforsdjung weiter gebrad)t haben als wir. Aber ihr Erkennungs- und Denkvermögen fann sid, von dem unsrigen nur quantitativ, nid)t qualitativ untersd;eiden. Sie fönnen nicht einen Blick haben, womit sie einen Baum für einen Menschen ansehen, und nidyt einen Verstand, der aus zwei Mal zwei fünf herausrechnet. Wenn die ganze Welt zufaminenhängt oder eine Einheit bildet, woran fein Menjdy zweifelt, wird sie auch überall ziemlid) dieselben Bestandtheile aufweisen und diese Bestandtheile werden in der Form von Weltförpern audy ziemlid, dieselben organijden Wejen erzeugen und im Bewußtsein dieser Wesen werden auch überall dieselben Naturkräfte in ziemlich derselben Weise wirkjam sein. Man hat noch keine Weltförper entdeckt, die eine andre Form haben, als die runde. Wahrsdeinlich haben auf allen

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xud die Schädel die nämliche Form und diese Formen einer gleidyartigen Inhalt.

Durdy alles Vorstehende ist der Schluß gerechtfertigt: was der Mensch als wahr erkennt, das ist wahr und zwar nicht bloß hier, sondern im ganzen Universum.

,,Aber, wirft uns hier ein Gläubiger ein, wenn im mensdılidhen Geist sich bloß die Natur reproduzirt oder abspiegelt, deren Gesetz und Kreislauf feststeht, wie fommt er dann dazu, Frrthümer zu begehen, also von der eingeborenen Rid;tung abzuweichen?" Der Gläubige führt uns damit auf den dritten Gegensat: Wahrheit und Irrthum.

Göthe sagt: ,, es irrt der Mensd jo lang er strebt". Das Thier irrt nicht, denn es strebt nicht. Weil das Thier vermöge seiner weniger vollkommenen Organisation bloß einem bewußtlosen, begrenzten Triebe folgt, der nicht die Wahl und Macht einer Abweichung von den einfachen Foderungen der Natur hat; weil sein Seelenleben sich nur in dem festen Geleise des Naturtriebes bewegt wie die Seelen der Gläubigen in dem festen Geleise des Dogma, deshalb ist es immer mit sidy einig, hat es eine stetige Bahn und bedarf es feines sonstigen Wegweisers zur Erreichung seiner „Bestimmung“. Mit dem Durdbrudy des Bewußtseins, mit dem Erwadzen berjenigen Straft, die wir Vernunft nennen und in deren Natur das Bedürfniß wie die Madyt der Ausdehnung, des Weiterstrebens liegt, öffnet sich das Gebiet der Unsicherheit,

in dem der Irrthum neben der Wahrheit wächst. Grade • weil der menschliche Geist sich erst selbst aufbauen muß und

vou der Natur bloß die Anlage und das Material, nicht aber von einem , Schöpfer“ die Prägung und Ausfithrung erhalten hat, grade weil der Mensd, erst finden und entdecen muß, was seine Vernunft bedarf, grade weil es ihm fein Versorger fertig überliefert, grade weil in ihm sich ein Bes wußtsein aus der Natur heraus entwickelt und dieß Bewußtsein außer ihm noch nicht eristirt, grade deshalb muß er dem 3rrthum ausgesetzt sein, während der Gläubige, der all Weisheit fertig und direkt aus dem Urquell eines unfehlbas ren Weltbewußtseins empfängt, ein für alle Mal vor allem Frren bewahrt sein muß, wie er vor allem Streben bewahrt ist.

Der Irrthum ist ein Attribut der Freiheit, denn er ist das Resultat eines Strebens, einer Wahl, eines eigenen Urtheils. Deshalb irrt das Thier so wenig wie der Gläubige. Der Gläubige so gut wie das Thier beweist, daß das sicherste Mittel, fich ror allem Irrthum zu sichern, eine Sicherung vor aller Erkenntniß ist. „Irren ist mensdylidy“, aber es ist weber thierisch noc, fatholisch).

Wie schon bemerkt, würden ohne die fünf Sinne keine Ideen im Gehirn entstehen und die Lehre von den „angeborenen" 3been ist eine einfadye Täusdjung. Aber die Linien für die Aufnahme oder den Ansaß der Ideen sind im menschlichen Organismus gezogen und in besonders begabten Köpfen müssen dieselben natürlich eher und ausgeprägter ansdyies ßen, als in den weniger günstig organisirten der Mehrzahl. Deshalb sind bis in die dunkelsten Zeiten der Geschichte hinab gleich Dasen in der Wüste leitende Ideen und Grundansidhten aufgetaudyt, welche noch heute ihre Geltung haben. Sie konnten zur Zeit ihrer Entstehung nicyt klar entwidelt und entsprechend verwerthet werden, weil ihren Urhebern wie deren Umgebung die Bedingungen dazu fehltèn, weldie erst die bereicherte Erkenntniß späterer Zeiten liefern konnte.

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