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Die erste Anregung zum Denken erhielt der Mensdy durch die ihn umgebenden Erscheinungen der Natur. Sidy als Wahrnehmenden von dem Wahrgenommenen unterscheidend, begann er allmälig sid, nach seinem Verhältniß zur Außenwelt zu fragen und sich Rechenschaft zu geben über die ema pfangenen Eindrüde. Doch da diese Eindrüde haften blies, ben, sich selbjtthätig verbanden und allmälig Vorstellungen, Begriffe und Schlüffe erzeugten, ohne daß er sich dieses Prozesses seiner Geistes-Thätigkeit und Entwicelung fofort bewußt wurde, ließ er sich zu dem Irrthum verleiten, die Quelle jener Eindrücke bloß in sich selbst, statt in der Außenwelt zu suchen. Der Baum wuchs, das Thier lief, das Meer wogte, die Sonne schien in seiner Vorstellung, wie früher vor seinen Augen, und regte weitere Vorstellungen an, auch ohne daß er einen wirklichen Baum, ein wirkliches Thier, ein wirkliches Meer, eine wirkliche Sonne noch vor Augen hatte, und Co gerieth er auf die Einbildung, daß sein Vorstellung8- und Denfvermögen von vorn herein unabhängig von der wechselnden Außenwelt eristire und die wahre Welt enthalte. Er lernte sogar rückwärts operiren, indent er den Wahrnehmer zum Urheber des Wahrgenommenen macyte und diese Täusdung im Gottglauben auf die ganze Natur ausdehnte. Das von der Natur empfangene Bild und die allmälig aus den erhaltenen Eindrüden entwickelten Begriffe blieben in ihm fixirt, während die Natur selbst überall und fortwährend wechselte, ja sogar durch Erdrevolutionen die Ahnung einer einstigen vollständigen Auflösnug begründete. So kam er dazu, als das Bleibende und Wirkliche die Gedankenwelt anzunehmen und die sinnliche Welt nicyt bloß zum Vergänglichen, sondern auch zum Scheinenden zu

machen. Es wäre nicht minder konsequent, ein photographisches Portrait für die wirkliche Person auszugeben und diese, weil sie in einem Sarg versenkt wird, statt in einem Nahmen auf die Nadwelt zu kommen, als nicht existirend zu betrachten. Die Gedankenwelt des Mensden verhält sich zur Naturwelt gewisser Maßen wie ein Portrait zur Berson. Aber þegel so gut wie Plato macht die Kopie zum Original, macht die im Menschengehirn durch Abstraktion von der Nas tur gebildete Idee zum allein Seienden und zugleich zur Schöpferinn der Natur, nachdem sie auf diese zurüdübertragen ist als „Gott“ und „absolute Idee“. So wird denn das Probuft zum Produzenten und alle natürlichen Folgen bestehender Ursachen verwandeln sich in ideelle Ursachen und Zwede.

Die ewige Veränderung in der Natur (gegenüber den Feststehenden Vorstellungen von derselben) hat schon den alten griechischen Philosophen die größte Noth gemacht. Es gibt kein Sein, sondern nur ein Werden; „Ades fließt“ und ist im nämlichen Augenblick, wo ich es als feiend annehme, schon nicht mehr dasselbe, was es war, 3d kann den Fuß nicht zwei Mal in den nämlichen Fluß jeßen. So lauten die Pehren des Heraklit und ähnlich haben spätere Philosophen gerebet. Aber was hat die Veränderlichyfeit des Seienden mit dem Sein zu schaffen? Dadurch, daß sich etwas verän: dert, beweist es schon das Sein, denn wie kann es sich ver: ändern, wenn es nicht ist? Wird ein Organismus, so lang er Leben hat, als bestimmter, individueller Organismus aufgehoben durch die beständigen Veränderungen, die in ihm vorgehen ? Bin ich morgen weniger Idy, als heute, weil ich morgen vielleicht ein Pfund weniger wiege, oder eine andre Blutmisdjung habe ? Sonstituirt die bestimmte Form und der befondre Charakter der in ihren Theilen sich verändernden Gebilde der Natur nidyt eben so gut ein zeitweiliges Sein dieser einzelnen Gebilde wie die unzerstörbaren Kräfte und Stoffe, von denen sie gebildet worden, das ewige Sein des unendlichen Ganzen? Wil man jenen einzelnen Ersd;einungen das Sein deshalb abspredjen, weil sie sich stets verändern, so kann man auch den in ihnen wirkenden Kräften das Sein absprechen, weil sie sich stets durch ein verändertes Produkt manifestiren. Nach der Analogie eines Sates des Cartesius läßt fidy sagen: Alles verändert sidy, folglich ist Ales. Es gibt aber Philosophen, die im Stande wären zu sagen: die Erde dreht sich, folglich existirt sie nicht. Ferner ist die Veränderung eine conditio sine qua non des Lebens, das Leben manifestirt sidy burch fortwährende Veränderung, verbunden mit fortwährender Bewegung. Danach ließe sich der weitere Satz aufstellen: Alles verändert sidy, folglich lebt Ades. Um aber den schulphilosophischen Begriff des Seins zu erfüllen, müßte Alles unveränderlich, also todt sein. Philofophijder Schluß: Alles ist todt, folglich ist Ales.

Diejenigen, welche aus der Veränderlichkeit der Erscheinungen der Natur die Folgerung gezogen haben, daß nur diejenige Welt ein wahres Sein habe, welche der 1. g. Geist von der wirklichen abstrahirt hat, übersehen merkivürdiger Weise ganz, daß dieser Geist und feine Welt sich ebenfalls fortwährend verändert. Wie wir nicht zwei Mal in den nämlidhen Fluß treten fönnen, fo fönnen wir auch nicht zwei Mal ben nämlichen Gedanken haben. Der zweite, mag er auch im Allgemeinen ben nämlichen Inhalt haben, wie der Fluß im Allgemeinen das nämliche Wasser, wird stets eine andre Anregung, andre Verbindungen, andre Beziehungen, andre Formen und einen andren Verlauf haben, als der erste. Eben so veränderlich aber sind die Resultate unseres Denkens. Man sehe nur, welche ungeheure Reihe von Veränderungen die geistige Entwickelung in jeder Richtung burchlaufen, namentlich aber welche Sprünge die nämliche Philosophie schon gemacht hat, die uns belehrt, daß das wahre Sein nur in ihrer unveränderlichen Idee liege, die veränderliche Außenwelt aber nur Schein sei. Man wird finden, daß in dem ganzen großen Prozeß ber menschlichen Geistes-Entwidelung nichts fest geblieben, als die von der Wissenschaft festgestellten Thatsachen und die der Natur aba gelernten Gefeße.

Die 1. g. idealistische (richtiger : spiritualistische) Philos sophie erhielt ihre erste Baupt-Anregung von Anaragoras, der schon etwa 500 Jahre vor der Geburt des ältesten Sohnes des heiligen Geistes lebte und eine von allem Stoff unabhängige und denselben frei beherrschende Intelligenz einführte. Der Hauptvertreter dieser Richtung im Alterthum aber war der f. 8. göttliche Plato, der eigentliche Schöpfer des philos sophischen Gottes, der sich vor der Gefahr sicherte, gleich seinem ungerecht verurtheilten Lehrer den Giftbecher trinken zu müssen. Er theilte Ades ein in „Dasjenige, das immer ist, aber fein Werben hat, und Dasjenige, das immer wird, aber niemals ist." Und auf dem nämlichen Wege einer dualistischen Weltanschauung find fast alle idealistischen" Philosophen, namentlich unsre teutschen, fortgeschritten, von dem altmodischen Schuster Jakob Böhme, welcher, Lessing8 Ausspruch zufolge, das Glüd gehabt hat, durch seinen bloßen Unsinn der Theosoph Deutschlands zu werden", bis zu dem neumodischen Juwelier Hegelt der „das ganze llni. versum in das diamantene Net jeiner Pogit hineinbaute". (Durch solche Redensarten hat sidy eine ganze Generation imponiren lassen, ohne auch nur einen Augenblic zu bedenken, daß sie nidyts sind, als vollständiger Unsinn.)

Wenn eine richtige Beurtheilung der Welt, d. i. die Wahr. heit soll gefunden werden, so muß nothwendig die Beantwortung der Frage vorausgehen: wer, welches Wesen, weldie Intelligenz soll diese Beurtheilung liefern und was soll ihr als entscheidendes Maß dienen? Diese Frage wie ihre Be. antwortung kann auf dieser Erdkugel natürlich nur vom Mens den ausgehen, denn es hat sich zur Zeit, so weit unser Gesichtsfreis reicht, außer dem Mensdyen noch keine Wißbegierde und keine Autorität in der Welt gefunden, der es um die Wahrheit zu thun wäre oder an die wir uns wenden könnten. Auch ist es ein troß unsern Philosophen noch nicht entdecktes Kunststüd, in der unendlichen Welt zu existiren und doch einen unabhängigen Standpunkt außerhalb dies ser Unendlichkeit einzunehmen, um unbefangen beurtheilen zu können, wie sie ,,an fidy" ist. Diese viel verhandelte Frage nach dem Sein der Dinge an fidy" ist schon widersinnig in sidh. Sie kann doch nur aufgeworfen werden von einem Beurtheilenden, dem das Beurtheilte („die Dinge“) gegenübersteht, und dennody setzt sie ein Beurtheiltes für sich allein, ohne Beurtheilenden voraus. Denn sie Herrn Philosophen stellen ja auf, daß das Urtheil die Dinge ander8 nehme, als sie an sichy" . i. ohne Urtheil existiren. Um ihnen daher das Kunststüc möglich zu machen, daß Dinge an sich seien, müssen wir zuvor die menschliche

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