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Vorrede zur dritten Auflage.

Es erging an den Unterzeichneten die Aufforderung, den Hausschatz der Englischen Poesie von Wolff, in der hier vorliegenden dritten Auflage zu ergänzen und bis auf die neueste Zeit fortzusetzen. Was nun dies Letztere betrifft, so ist es, wie sich leicht von selbst versteht, mit manchen Schwierigkeiten verbunden, auf dem Continente die nöthigen biographischen und literarischen Notizen theils der nicht längst verstorbenen, theils und namentlich von noch lebenden Dichtern zu erlangen. Der Verfasser hat indess keine Mühe gescheut, sich die dazu erforderlichen Materialien zu verschaffen und dieselben in der Art und Weise des ersten Herausgebers zu verarbeiten. Zur Erleichterung des Auffindens der einzelnen Dichter ist ein alphabetisches Verzeichniss hinzugefügt worden.

Möchte diese reichhaltige und gediegene Auswahl, als ein wahrer Schatz Englischer Poesie, wie in den früheren, so auch in dieser vermehrten und vervollständigten Auflage, von den Freunden der englischen Dichtkunst mit demselben Beifall aufgenommen werden.

Dresden, d. 10. April 1852.

Dr. H. A. Manitius.

Einleitung.

1.

Ueber englische Poesie und Poetik im Allgemeinen.

Obwohl die englische Poesie gleich der englischen Sprache sich aus den verschiedensten Elementen bildete, welche sich nur allmählig und im Laufe der Jahrhunderte miteinander verbanden bis sie endlich ein Ganzes ausmachten, so gehört doch die Gestaltung Beider so vollständig dem wirklichen Leben an und die Theorie übte erst so spät einen nachhaltigen Einfluss auf dieselben aus, dass die Wirkung der Letzteren nur eine untergeordnete bleibt und fast gar nicht in Betracht kommt, während die Darstellung der Entwickelung Jener, stets die aufmerksamste Beobachtung ihres Zusammenhanges mit dem ganzen geschichtlichen Entwickelungsgange der Nation selbst fordert. Dadurch unterscheidet sich dic englische Poesie namentlich von der französischen, dass sie als das künstlerische Bewusstsein zu der poetischen Hervorbringung sich gesellte, dennoch durchaus freies Eigenthum des Volkes blieb, und die Schicksale und Kämpfe desselben weit mehr zu den Richtungen welche sie nahm und den Stoff, den sie sich aneignete, beitrugen, als der Einfluss des Hoses und der Gelehrten, während sie dagegen sich bei den Franzosen gleich nach dem ersten Eintreten des künstlerischen Bewusstseins von dem Volke ablöste und unter dem mächtigen Einflusse des Hofes Eigenthum der Wissenschaft ward, die jetzt erst wieder, auf dem Wege der Schulbildung, sie der Nation und in dieser eigentlich nur den Gebildeten von Neuem zuführte. Darin mag auch wohl der Grund zu finden sein, dass die Franzosen eine so ausgebildete Poetik, die Engländer so gut wie gar keine haben und Jeder die Form gestaltet, entweder, wie er es seinen Vorgängern und Vorbildern abgelauscht, oder wie die Idee, durch deren Verwirklichung die Form allein erst entstehen kann, poetischen Tact und Geschmack, sowie als gelungen anerkannt vorhandenes als Leiter zu Hülse rusend, es von ihm verlangt. Diese Freiheit der äusseren Gestaltung, welche sich nur gewissen Gesetzen ursprünglicher Nothwendigkeit im Allgemeinen unterwirst, geht durch die ganze englische Poesie hindurch von dem Augenblicke an, wo die verschiedenen Elemente sowohl in ihr selbst, wie in der Sprache zusammentraten und nun ein gemeinschaftliches, in welchem sie sich verschmolzen, das englische Element bildeten. Dies ist um so eigenthümlicher, als gerade jene Elemente, insofern sie bei der Poesie in Anwendung kamen, während der Zeit ihrer Absonderung den strengsten Gesetzen hinsichtlich der äusseren Form in wissenschaftlicher Feststellung damaliger Weise unterworfen

waren.

Die Poesie musste in jenen Zeiten nicht allein einer Poetik, sondern auch noch einem besonderen Ceremoniell, das zum Theil mit der ersteren in genauestem Zusammenhange stand, gehorsamen. Die altbretonische Poesie war eine Wissenschaft im strengsten Sinne des Wortes, die noch dazu zunstmässig erlernt werden musste und nur ebenso zunstmässig ausgeübt werden durfte. Ihre Jünger waren die Träger der Wissenschaft überhaupt, und die Poesie eben das Gefäss in welchem sie jene ausbewahrten. Sie mussten sich wenigstens drei Jahre dem Studium derselben gewidmet haben, dann wurde ihnen aber erst der unterste Grad zu Theil, der eines Clerwr (1. Cleruhr) oder eines fahrenden Sängers, der sich seine Zuhörer nur im niederen Volke zu suchen hatte. Wer den höchsten Grad erreichen wollte, bedurfte dazu eines zwölfjährigen Studiums. Einem Examen mussten sich Alle am Ende jedes zurückgelegten Trienniums unterwerfen und von diesem und dem Siege bei Wettgesängen Ring es ab, ob ihnen die beiden höheren Stellungen, die eines Prududd oder Hof-Barden und die eines Teluwr (1. Telu-uhr) oder Barden des Mittelstandes zu Theil wurden. Ueberhaupt spielte die Zahl drei, sowohl in ihrer Hierarchie wie in der Ausübung ihrer Kunst und endlich in ihrer Poetik eine überaus wichtige Rolle. An den drei Hauptfesten am Hofe musste der Prududd singen, aber erst das dritte Lied; zwei Lieder vorher, eines zum Prcise Gottes, das andere zur Verherrlichung des Fürsten, lagen dem Pemerdd (ein Barde, der den Studien zwölf Jahre gewidmet) vorzutragen ob. Die Form der Gesänge ward wiederum durch die drei bestimmt; die Strophen bestanden nur aus drei Zeilen, von denen in gewissen Gesängen die dritte didactischer Art sein musste und was dergleichen Gesetze mehr waren. Aehnlichen Bestimmungen waren auch die irischen und die von diesen entsprungenen schottischen Barden unterworfen und selbst die später in England eingedrungenen nordfranzösischen Trouvères beobachteten, wenn gleich mit grösserer Freiheit, gewisse überlieferte Formen in ihren Dichtungen. Als aber im Laufe der Jahrhunderte das angelsächsische und das dänische Element, beide germanischen Ursprunges sich mit dem kymrischen und dem französischen so verschmolzen hatten, dass sich aus ihnen die gegenwärtige englische Sprache bildete, welche unter Eduard III. die gesetzliche Oberherrschaft gewann (um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts), da begann auch die Nationalliteratur sich selbstständig zu entwickeln und zwar aus dem innersten Wesen des Volkes, das hier den bedeutendsten Einfluss übte und schon lange sich seine eigenen Weisen und Formen gebildet 'hatte. So kam es, dass weder Althergebrachtes noch die Poetik fremder Nationen bestimmenden und nachhaltigen Einfluss gewann, jeder neue Dichter ging seinen eigenen Weg, ersann oder bildete nach, wie er es für gut fand und ordnete sich bei seiner Behandlung nur allgemein nothwendigen, aus den natürlichen Verhältnissen der Poesie überhaupt entspringenden Gesetzen oder auch dem herrschenden Geschmack

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