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Von Wordsworth bis Byron

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und Heine Heines beste Poesie, vor allem Deutschland ein Wintermärchen, setzt das Werk Byrons fort. Die Romantik in Frankreich und der Liberalismus in Deutschland stammen beide in direkter Linie von dem Naturalismus in Byrons Dichtung ab.

XXV

Der Naturalismus im englischen Geistesleben beginnt bei Wordsworth als ländliche Liebe zur äußeren Natur, als Aufsparen der Natureindrücke und als Pietät gegen das Tier, das Kind, den Bauern und die Einfältigen im Herzen. Er verirrt sich bei ihm vorübergehend in eine Sackgasse platter Naturnachahmung. Er nähert sich bei Coleridge, und noch mehr bei Southey der gleichzeitigen deutschen Romantik, folgt dieser in die Welt der Legende und des Aberglaubens, hält sich aber von ihren ärgsten Ausschreitungen rein durch seine naturalistische Behandlung des romantischen Stoffes, durch seinen offenen Sinn für Land und Meer und für alle Elemente der Wirklichkeit. Der Naturalismus wird völkerpsychologisch und historisch bei Scott und schildert mit lebendigen Farben den Menschen als Kind einer Rasse und eines bestimmten Zeitalters; er erobert bei Keats die ganze Sinnenwelt und hält sich hier einen Augenblick neutral zwischen dem Ruhen in der Naturbetrachtung und dem Predigen eines Nature vangeliums und natürlicher Rechte. Er wird erotisch und liberal politisch bei Moore, den der Anblick des Jammers seiner Geburtsinsel in das Lager der freisinnigen Ideen hinübertreibt. Er wird bei Campbell zum Lobgesang über England als Königin des Meeres und zum Ausdruck für britischen Freisinn. Er tritt bei Landor als freier, heidnischer Humanismus auf, ist aber zu abschreckend und stolz, um Europa für sich gewinnen zu können. Er verwandelt sich bei Shelley in eine pantheistische Naturschwärmerei und einen poetischen Radikalismus, der über die herrlichsten poetischen Mittel verfügt; aber sein kosmischer und abstrakter Charakter im Verein mit dem allzu großen Vorsprunge des Dichters vor seiner Mitwelt und sein früher Tod bewirken, daß das Lied ungehört verhallt, ohne daß Europa geahnt hätte, welchen Dichter es in ihm besitzt und verliert.

Aber wie Achilleus sich erhebt, nachdem er die Leiche des Patroklos verbrannt hat, mit so gewaltiger Kraft erhebt jetzt nach Shelleys Tode Byron seine Stimme. Die europäische Poesie floß in einem schläfrigen und stillen Strome, und wer am Ufer desselben entlangschritt, fand wenig, worauf sein Auge verweilen mochte. Da entstand als eine Fortsetzung des Stromes jene Poesie, welcher so oft der Grund unter den Füßen wich, daß sie sich in Kaskaden von Fall zu Fall stürzte, und alle betrachten ja zumeist einen Fluß an der Stelle, wo seine Wogen einen Wasserfall bilden. Hier bei Byron sah man die Flut schäumen und sieden, hörte sie rauschen wie Musik und tönend ihr Lied gen

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Die Iris der Verheibung

Himmel senden. Hier spritzte das Wasser schauerlich schön den weißen Gischt der Wut empor, wirbelte im Maalstrome umher, zersplitterte sich selbst und alles, was ihm im Wege stand, ja höhlte mit der Zeit selbst Felsen aus. Und mitten im Wasserfalle stand, wie Byron es in Childe Harold geschildert hat, eine herrliche Iris, ein prächtig strahlender Regenbogen, das Zeichen der Harmonie, des Friedens und Freiheitsglücks, vielen unbemerkbar, aber sichtbar für jeden, welcher die Sonne über sich hat und sich richtig stellt.

Er kündigte bessere Tage für Europa an.

Paß & Garleb A.-G., Berlin W 57

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